helm Rehmann im Archiv tätig, wahrscheinlich von Dr. Ebel, seinem dienstlichen Vorgesetzten, dahin empfohlen. Den Archivakten ist zu entnehmen, daß Rehmann für die Jahre 1923 und 1924 eine Vergütung von insgesamt 600.- Reichsmark erhalten hat.
Im April, Juni und Juli fragt das Staatsarchiv Darmstadt erneut drin- gend an, wann das Verzeichnis der Gießener Archivbestände vorgelegt werden könnte, das man auf Grund mehrerer Mitteilungen seit langem erwarte. Da keine Antwort erfolgt, kommt es im November 1928 zu einer erneuten Anfrage aus Darmstadt. Statt einer Antwort ergeht die Mitteilung, daß Dr. Ebel schwer erkrankt sei.
Die Archivbestände befanden sich auch in den Nachkriegsjahren nach wie vor im Dachgeschoß der Oberrealschule. Aus einem Bericht vom 20.5.1924 geht hervor, daß das Archiv fleißig benutzt wird: Beständig sind zahlreiche Teile der Archivalien in der Universitätsbibliothek für Benutzer bereitgestellt“. Wegen der schlechten Unterbringung erwog man Ausgang der 20er Jahre eine Verlagerung der Archivbestände vom Dachgeschoß der Oberrealschule in den Keller. Dazu kam es aber nicht, weil Dr. Ebel als Direktor der Universitätsbibliothek das Archiv unter seine Fittiche nahm. Zu Beginn des Jahres 1930 wurden die Be- stände in die Bibliothek verlagert; gleichzeitig kauft Ebel die Samm- lung"Ottmann“(Nachlaß eines Gießener Buchhändlers) für 600.- RM und erwähnt, daß dieser Bestand noch gesichtet und geordnet werden müsse.
Wohl mit aus diesem Grund und weil er selbst wegen seiner angegrif- fenen Gesundheit nicht mehr so viel im Archiv wirken konnte, bean- tragte er, den Bibliotheksangestellten Dr. Lehnert für 50.- RM monatlich im Stadtarchiv zu beschäftigen. Ein zweiter Antrag auf Ein- stellung Dr. Lehnerts vom Februar 1931 hat dann endlich Erfolg, denn am 14. April 1931 wird von städtischer Seite verfügt, daß Dr. Lehnert bis auf weiteres 58.- RM monatlich für seine Archivarbeit erhält.
Am 23.11.1931 erfolgt eine weitere dringliche Anfrage des Staatsar- chivs Darmstadt nach dem versprochenen Verzeichnis der Gießener Archivbestände. In seiner Antwort verwahrt sich Ebel gegen ein Auf- sichtsrecht“ des Staatsarchivs über das Stadtarchiv Gießen, spricht aber auch über seine Krankheit, die ihn daran hindere, die Sache mit Nachdruck zu betreiben.
Bis zu seinem Tode am 8.9.1933 war Dr. Karl Ebel, der 1929 auch 1. Vorsitzender des Oberhessischen Geschichtsvereins geworden war, mit der Zusammenstellung einer Verfassungsgeschichte der Stadt Gießen beschäftigt, die er aber leider nicht mehr herausgebracht hat. In ei- nem Vortrag vor seinem Verein, den er kurz vor seinem Tode hielt (16. März 1933), läßt sich ablesen, was die Stadtgeschichtsforschung durch seinen plötzlichen Tod verloren hatte.
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