um Kassel und südlich davon sowie im oberhessischen Raum mit Mar- burg als Stützpunkt eine territoriale Machtposition aufbauen können, von der aus sie in der Lage gewesen wären, mit der Zeit das gesamte Gebiet zwischen Marburg und Kassel, zwischen Werra, Lahn und Eder zu beherrschen, wenn sich ihnen nicht zwei Umstände in den Weg ge- stellt hätten: Zum einen bestand der Besitz der Thüringer in Hessen zu einem bedeutenden Teil aus Mainzer Lehen, die das Erzstift vom Reich übernommen hatte, zum anderen legte sich zwischen die nieder-— und oberhessischen Gebiete als Sperre und Trennung zugleich die an- sehnliche Grafschaft Ziegenhain, während die westlich und südwestlich sich anschließenden Räume durch ebenso stark aufkommende Grafen— geschlechter, wie z.B. die von Waldeck, Wittgenstein, Solms, Nassau und Katzenelnbogen, eine weitere Ausdehnung nicht mehr ohne weite- res gestatteten.
So befestigten die Thüringer Landgrafen in dem bezeichneten und re- lativ kleinen Gebiet ihre landesherrliche Stellung desto nachdrückli- cher, und sie bedienten sich dabei vor allem des Mittels einer großzü- gigen und erfolgreichen Städtepolitik. Allein zwischen 1180 und 1230 wurden zahlreiche Orte durch die Landgrafen zu Städten erhoben, von denen ich hier Alsfeld, Grünberg, Homberg/Ohm, Marburg, Franken- berg und Biedenkopf im oberhessischen sowie Homberg/Efze, Melsun- gen, Eschwege, Witzenhausen und Kassel im niederhessischen Raum erwähnen möchte. Von dieser Ausgangsbasis war die Politik der Thü-— ringer darauf gerichtet, ihr Gebiet nicht nur zu stabilisieren, sondern es auch auf Kosten rivalisierender Herrschaften auszuweiten.
Ebenfalls seit dem 12. Jahrhundert war es das Bestreben des Erz-— bistums Mainz gewesen, die bei der Ausbreitung seiner Kirchenprovinz erworbenen Gebiete zu einem einheitlichen Territorium zusammenzu- fassen. Die ihnen 965 verliehene Würde eines Erzkanzlers des Reiches und die ebenfalls von Kaiser Otto dem Großen erworbene Hohe Immu— nität gaben dem Mainzer Erzbischof schon früh die Stellung eines reichsunmittelbaren Fürsten und sicherten ihm bei dem Versuch, die Landeshoheit auszubauen, einen Vorsprung vor anderen weltlichen Gewalten bzw. Grafenhäusern. Das althessische Land zwischen Gießen und Kassel wurde von den Mainzern als Bindeglied zwischen Rhein und Elbe betrachtet und wäre- in der Hand von Mainz-— geeignet gewe- sen, das Zentrum um Mainz mit dem in Hessen und Thüringen weit verstreuten Besitz zu verbinden und zu einem einheitlichen Herr— schaftsgebiet zusammenzuschließen. Im hessischen Raum waren es ins-— besondere die Gebiete um Hofgeismar, Fritzlar und um die alte Mis- sionszelle der Amöneburg sowie seit 1237 auch Teile der alten Ohm/ Lahn-Grafschaft, die als Stützpunkt den Mainzern eine hervorragende Stellung sicherten und zu denen ähnlich wie bei den Landgrafen eine ganze Anzahl fester Burgplätze gezählt werden müssen. Hinzu kam die begründete Aussicht auf den Heimfall der thüringischen Lehensgebiete,
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