Druckschrift 
Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen

Markgenossenschaft. Gießen hatte 24/33 Anteile und drängte in der Folgezeit energisch auf die Auflösung der Markgenossenschaft, weil die rechte Nutzung und Waldweide von den unmittelbar angrenzenden Mitmärkern immer stärker beeinträchtigt wurde.

In dieser Zeit unternahm der hessische Landgraf einen großangelegten und eingehend begründeten Versuch, sich den Fernewald als Obermär- ker zu freiem Eigentum anzueignen, indem er argumentierte, daß der Fernewald als östlichster Teil des Wiesecker Waldes seit urdenklichen Zeiten im Besitz der Herrschaft des Hüttenbergischen-, Gießischen- und Gemeinen-Landes-Distrikts, also Gleiberger Gesamteigentum ge- wesen sei. Der Versuch stieß natürlich auf den Widerstand aller Mit- märker und wurde vom Landgrafen wieder fallengelassen, um prozes suale Auseinandersetzungen mit den Märkergemeinden zu vermeiden. Er hat vielmehr nun seinerseits das Drängen der Stadt Gießen auf Teilung der Markgenossenschaft unterstützt und die Teilung betrieben. Am 1.6.1776 einigten sich die Markgemeinden auf einen Teilungsver- trag des Fernewalds zu freiem Eigentum.

Gießen erhielt damals 2/3 der gesamten Markgenossenschaft, die sei- ner Gemarkung hinzugefügt wurden. Es handelt sich um ein Gebiet von rund 300 ha, das auch heute noch in fast unveränderter Form existiert und sich in dem eigenartigen Halbkreis um die Gemarkung Annerod herumlegt. Neben Gießen erhielten Annerod, Hausen und Steinbach kleinere Teile des Fernewalds, im ganzen rund 1/3 des Ge- bietes, und fügten sie ihren Gemarkungen hinzu. Alle bisherigen ge- meinsamen Rechte wurden damals aufgehoben, und die Marktgenossen- schaft hatte damit aufgehört zu existieren. Das Grundeigentum fiel in den Allmendbesitz der Gemeinden, der Landesherr behielt sich die Oberhoheit vor.

Es stimmt nachdenklich, daß nach knapp 200 Jahren selbst die älte- sten Einwohner der beteiligten Dörfer nichts mehr davon wissen, daß der Fernewald einst eine Markgenossenschaft gewesen ist(Karte Nr. 10).

50