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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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markung entsprechen, die wohl um 1400 in der Gießener Stadtgemar- kung aufgegangen war: Sie läßt sich ungefähr folgendermaßen um- schreiben: Von der Lahnebene etwa 500 m vor der Kroppach-Mündung, wo die heutigen Gießener Fluren 37 und 390 aneinanderstoßen, zog die keineswegs zu dieser Zeit schon genau ausgesteinte Gemarkungsgrenze von Kroppach ostwärts bis zum alten Landwehrgraben, folgte diesem dann nach Norden und Nordosten, umfaßte die gesamte Hardthochflä- che-Fluren 34, 35 und 36- griff dann südlich des Windhofes weit in die heutige Heuchelheimer Gemarkung ein, lief amGeiersberg ent- lang nach Süden über die Gießener Straße am ehemaligen Biebertal- Bahnhof bis in die Lahnebene, um dann in Höhe der Gießener Flur 37 in östlicher Richtung auf ihren Ausgangspunkt an der Kroppach zu stoßen.

Nach dem Aufgehen Kroppachs in der Stadt Gießen war die Grenze zu Heuchelheim bis 1585, dem Jahr der Teilung des ugemeinen Landes an der Lahn zwischen Nassau und Hessen, Amtsgrenze, danach nur noch Gemarkungsgrenze innerhalb des Amtes Gießen. Die erste uns überlieferte Grenzfestsetzung geht auf das Jahr 1571 zurück und be- traf vor allem die umstrittenen Gebiete an der Lahn in den Gewannen Hohleich und"Wolfsfurt. Die Heuchelheimer Gemarkung griff da- mals schon weit in die heutige Gießener Stadtmark ein. Doch erhiel- ten sich Gießener Anrechte, denn es heißt in den Grenzakten:"die von Gießen haben Hute und Weide allein auf der Wolfurt und hohlen Eich. Die Heuchelheimer aber haben allein die Schutzseil, d.h, die entscheidenden Gerichts- und Hoheitsbefugnisse.

Noch mehrfach kam es hier sowie am"Hefler und"Erlensand zu Grenzirrungen, die ihre Ursache natürlich auch in den dauernden Lahnlaufänderungen hatten. Der"Erlensand, ein auwaldähnliches Ge- biet auf der rechten Lahnseite, blieb bei Heuchelheim. Der"Hegler links der Lahn blieb bei Gießen.

Mit Krofdorf-Gleiberg hatte Gießen eine weitere Koppelhut, ebenfalls auf der Hochfläche der Hardt gelegen, etwas weiter nordostwärts, sich bis zum alten Krofdorfer Weg in der Lahnebene hinziehend. Die- ser Weidebezirk geht zweifellos auf die hier gelegene Wüstung Läu- fertsrod(heutiges Umspannwerk) zurück. Wird auf einem Grenzriß des 16. Jahrhunderts noch deutlich von den ugemeinen Bräuchen der Gie- ſener und Gleiberger in diesem Bezirk gesprochen, so scheint sich nach dem Teilungsvertrag zwischen Hessen und NassaufWeilburg/Saar- brücken 1585 hier keine Koppelhut mehr befunden zu haben. Die Grenze erhielt damals ihren heutigen Verlauf.

Aufschlußreich ist die Geschichte der Koppelhut zwischen Gießen und Launsbach, von der wir in den vorhandenen Akten 1527 erstmalig- ren. Dieser Bezirk lag in der Lahnebene zwischen dem sogenannten

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