Landschaft, sondern sie haben vielfach den Wunsch, dem Lärm und Getriebe der Stadt zu entfliehen und ihren Dauerwohnsitz in der frei- en Landschaft zu nehmen.
Etwas Ahnliches ist bei den sozio-ökonomisch zu sehenden Bewirt- schaftungsformen der Markgenossenschaften und der Koppelhuten zu beobachten. Diese Formen, im 18. und 19. Jahrhundert unter dem Druck der Verhältnisse zugunsten der mehr individualistisch orientier- ten landwirtschaftlichen Nutzung aufgegeben, erscheinen heute in ei- nem neuen, wenn auch stark modifizierten Gewande. Ich denke hier nicht in erster Linie an die Produktionsformen des Ostblocks, die ja weit mehr ideologisch als ökonomisch begründet sind und deren Erfolg bis dato zumindest fragwürdig erscheint, sondern ich denke an die gewaltigen Aufgaben der Raumplanung und der großflächigen Wirt- schaftsinstitutionen, die unsere und die nächste Generation beschäfti- gen werden und die sie lösen muß. Die anstehende Gebietsreform wird sich mit dieser Problematik auseinandersetzen müssen.
Wir werden es im Laufe dieser Ausführungen immer wieder aufleuch-— ten sehen, daß Markgenossenschaften und Weidegemeinschaften in ih-— rer Zeit und unter ihren Bedingungen nichts anderes waren als Wirt- schaftsräume im Kleinen, als Zusammenschlüsse von Einzelmenschen oder Gemeinschaften, d.h. in diesem Fall Siedlungen, die einst ent-— standen sind bzw. geschaffen wurden, um den berechtigten Interessen der Bewohner zu dienen, um den zur Verfügung stehenden Boden nach besten Möglichkeiten zu nutzen und dabei allen gerecht zu werden.
Erleben wir so die Geschichte unserer engeren Heimat, sehen wir so die Probleme, mit denen sich unsere Vorfahren auseinanderzusetzen hatten, so werden wir geschichtsbewußter, was unserer Zeit ja heute manchmal sehr fehlt; auch die oft als unwichtig hingestellte Heimat- geschichte gewinnt an Leben und Farbe, wird gleichsam plastisch, wenn wir uns bemühen, die historischen Vorgänge nicht isoliert zu be— trachten, sondern sie in den Bereich der Weiterentwicklung unserer menschlichen Gesellschaft zu stellen, die jeweils nur aus ihrer Zeit und den in ihr obwaltenden Umständen zu verstehen ist.
Von daher gesehen ist meine heutige Betrachtung auch mehr eine wirtschafts- und verwaltungsgeschichtliche Studie, die gleichwohl ge- eignet ist, uns nicht nur interessante Tatsachen der Stadtgeschichte zu vermitteln, sondern die es auch unternimmt, uns das Leben und Streben der Menschen früherer Jahrhunderte näherzubringen.
Nach dieser Einleitung lassen Sie mich mit der rechtlich und tatsäch- lich etwas lockeren Form damaliger Wirtschaftsgemeinschaften, der Koppelhut, beginnen.
Koppelhuten waren gemeinsame Weidebezirke, auf denen aber im Ge— gensatz zur Allmende nicht nur die Bewohner einer Gemeinde, sondern
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