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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
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DIE GESCHICHTE DER GIESSENER WALDUNGEN

Vortrag im Oberhessischen Geschichtsverein Gießen 1964

Wwenn ich Ihnen mit meinem ersten Vortrag die Herausbildung und Entwicklung der Gießener Gemarkung von der Zeit der Stadtentste- hung bis in unsere Tage aufzeigen konnte, so folgen Sie mir heute auf einem Gang durch die Geschichte der Gießener Waldungen.

Ich spreche hierbei absichtlich nicht von dem Gießener Wald, weil die heute im Bereich unserer Stadtgemarkung mit Wald bedeckte Fläche- sie umfaßt trotz einschneidender Rodungen und Veränderungen noch immer rund 25% des Gesamtareals der Stadt- historisch gesehen aus völlig verschiedenen Teilen besteht und sich infolgedessen auch ganz verschiedenartig entwickelt und verändert hat.

Beginnen wir mit dem größten zusammenhängenden Komplex, dem großen Gießener Stadtwald. Seine Betrachtung wird im Mittelpunkt dieses Referates stehen.

Nördlich anschließend erstreckte sich der Steltzenmorgen-Wald oder, wie er seit rund 100 Jahren im Volksmund heißt, der"Stolzenmor- gen, der heute leider verschwunden ist.

An der heutigen nördlichen Gemarkungsgrenze findet sich der alte städtische Anteil am Hangelstein, der im 18. Jahrhundert und bis zur Eingemeindung von Wieseck 1939 weit außerhalb des städtischen Be- reiches lag.

Südlich des Klingelbaches zwischen der Licher Straße und der Land- straße nach Hausen und zum Teil darüber hinaus schlossen sich die Wälder der Deutschordenskommende Schiffenberg an, während der daran angrenzende Waldbezirk als sogenannter Herrnwald noch heute dem Lande Hessen gehört.

Ein kleiner Waldbereich oder besser Baumbestand, die sogenannte Lindeser Hege', erstreckte sich als alte Grenzscheide(Landwehr) zwischen Gießen und Klein-Linden, ist aber bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts abgeholzt worden.

Die alteingesessenen Gießener werden das uns allen so lieb gewordene Hardtwäldchen vermissen; nun, das war im 18. Jahrhundert noch nicht vorhanden und spielt daher für unsere Betrachtung keine Rolle.

Schließlich fällt unser Blick auf den"Wurmfortsatzu der Gießener Gemarkung, das eigenartige Gebilde des Fernewalds, der sich um An- nerod herumlegt. Er war einst Teil einer Markgenossenschaft, auf die ich in einem weiteren Vortrag eingehen werde.

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