An der Grenze gegen Krofdorf-Gleiberg hatte es seit dem Grenzver- trag zwischen der Landgrafschaft Hessen-Marburg und der Graf- schaft Nassau-Weilburg von 1585 keine wesentlichen Veränderungen der Gemarkungsgrenze mehr gegeben. Doch waren auch hier seit dem 15. Jahrhundert kleinere Einbußen städtischen Gebietes zu verzeichnen, indem Teile der ehemaligen Feldmark von Läufertsrod, vor allem das Gewann Elf Morgen', zum Gebiet von Krofdorf gezogen worden wa- ren.
Die Grenze nach Launsbach und Wißmar bildete seit 1585 die Lahn. Hier kam es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu dauernden und langwierigen Grenzstreitigkeiten, weil die Lahn von Zeit zu Zeit, vor allem nach schweren Hochwassern, ihr Bett wechselte. Auch an dieser Grenze ist ein deutliches Zurückweichen der Stadt festzustellen. Eine Reihe von Gewannamen wurde im Zinsregister von 1495 noch als zur Gießener Feldflur gehörig bezeichnet. Trotz der Festlegung des Lahn- laufes als Territorialgrenze wurden aber Launsbacher und Wißmarer Gemarkungsteile auch östlich der Lahn bis zum heutigen Tag behaup- tet und fielen nicht in die Gießener Gemarkung. Lediglich die zwi- schen Launsbach und Gießen gemeinsame Koppelhut, die sogenannte Gänsweide“- im wesentlichen auch auf der linken Flußseite gelegen —, wurde nach jahrzehntelangen Verhandlungen im Jahr 1835 endlich geteilt, wobei der größere Teil dieser Gemeinweide in der heutigen Flur 26 an die Stadt Gießen fiel.
Die Grenze gegen die Badenburg wurde 1536 durch einen Vergleich entlang eines Flutgrabens festgelegt, der hier bis 1939(Eingemeindung Wiesecks) die Grenze bildete. Die Verhandlungen deuten jedoch darauf hin, daß Gießen auch hier ursprünglich mit seiner Gemarkung weiter nach Norden reichte.
Die Grenze zu Wieseck, seiner großen und viel älteren Nachbarge- meinde, hatte für Gießen aus mehreren Gründen eine besondere Be- deutung und die Beziehungen der Stadt waren enger als zu jedem an- deren Dorf in ihrer Umgebung. Man gehörte seit Jahrhunderten der gleichen Herrschaft und damit dem gleichen Amts- bzw. Gerichtsbe- zirk an. Wollten die Gießener den Hangelsteinwald nutzen, mußten sie durch die Wiesecker Gemarkung fahren. Gemeinsam mit Wieseck war man Teilhaber der Markgenossenschaften Fernewald und Altenstruth. Außerdem hatten Gießen und Wieseck mehrere gemeinsame Weidebe- zirke, von denen die Förderstruth’(zwischen der Badenburg, Lollar und dem Hangelstein) der größte und bedeutendste war-
Gleichwohl kam es auch hier zu Grenzstreitigkeiten in den Auwiesen, die zwischen Dorf und Fluß Wieseck, dem Steltzenmorgen und dem Gießener Stadtwald lagen und in denen schon früh eine Koppelhut zwischen Gießen und Wieseck nachgewiesen ist. Während im 16. Jahr- hundert der überwiegende Teil der Güterstücke in diesem Gebiet noch
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