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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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umfaßten große Teile der heutigen Fluren 38 und 39. Auch an dieser Stelle reichte die Gießener Gemarkung um 1500 wesentlich weiter nach Westen.

Im Norden der Stadt waren die ehemalige Gemarkung von Achstatt und kleine Teile derjenigen von Diedolshausen im Stadtverband aufge- gangen. In diesem Gebiet, das auf der linken Lahnseite die heutigen Fluren 2, 22, 23, 24, 25, 26 und 27 umfaßt, finden sich um 1500 im städtischen Bereich die Schwarzlach(1484"Swartzelache), die Ge- gend um den Rodtberg(1438 und 1484"am Rode), das Achstätter Feld(1495 nacksteder felde), ein Teil der Gänsweide(1495 uGans- zweyde) und die Lechenau(1347"Lechinauwe).

Im Osten der Stadt lag auf dem rechten Ufer der Wieseck der ausge- dehnte landesherrliche Besitz an Wiesen; von ihrem südlichen Ufer und der Stadt entfernte sich der große Gießener Stadtwald langsam durch Anrodungen.

Das städtische Zinsregister von 1495- unsere wichtigste Quelle für jene Zeit, die leider zu den Kriegsverlusten des Stadtarchivs zählt nennt nördlich der Wieseck die Gewanne"Wiskerfelt in Flur 21 und in den Fluren 19 und 3 bis in Stadtnähe die Eselswiese(1412"Etzen- wiesen) sowie uin dem Hamme und Eygenrott in der Flur 20. Auch die Gänsäcker hinter der herrschaftlichen Burg(1495 uhinder der Burgku, heute Altes Schloß!) gehören hierzu.

Innerhalb des großen Stadtwaldes, der außer den weiter unten ge nannten Bezirken die Fluren 41 bis 55 einnahm, wurde 1495 als öst- lichstes Feld der Stadt das Gewann uUrssenheym bzw. duff der Urssenheym genannt; dieses Feld haben wir dort zu suchen, wo die heutigen Fluren 53 und 54 nach der Wieseck zu aneinandergrenzen. Die Gießener Mark reichte aber hier erheblich weiter nach Norden als heute und dehnte sich bis zur Wieseck aus, die in jener Zeit- ähnlich wie die Lahn- öfter ihren Lauf veränderte. Es handelte sich dabei wahrscheinlich um ehemalige Teile der Wüstung Ursenheim, insbeson- dere um die als Koppelhut genutzten Wiesen uin der Aun zwischen Wieseckfluß und dem Wald.

Auf dem linken Wieseckufer erinnert der Flurname Altes Feld'(1310 nuf deme Aldinfelde) in den westlichen Teilen der heutigen Fluren 15 und 16 an die älteste Feldflur der Stadt. Früh gerodet waren auch der Nahrungsberg(1495 Narnbergk) in Flur 4 und der Heegstrauch (1495 uHegestruchn) in Flur 13 sowie das Gebiet zwischen Licher Straße und Klingelbach. Ferner findet sich in Flur 15- schon weit in den Wald vorgetrieben- die Laiseheide(1495"Lysenheyde) rechts vom Steinbacher Weg, während die heutigen Fluren 16, 17 und 18 noch weitgehend von Wald bedeckt waren. Die nach der Stadt zu ge- legenen Teile der Fluren 3 und 4 waren ebenfalls schon um 1500 dem Feldbau erschlossen.

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