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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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seck, Lollar, Gießen und die Badenburg an der sogenannten Förder- struthu, einem gemeinsamen Weidebezirk, später hatten.

Auf tertiären Sanden über der Talaue der Wieseck zwischen Philoso- phenwald und dem leider verschwundenen Eulenkopf in der Nähe des Baches Oberlach lag Ursenheim, das zwar ebenso wie Achstatt schon im Lorscher Codex des 8. Jahrhunderts erscheint, aber seitdem über- haupt nicht mehr genannt wird. Selbst wenn wir unterstellen, daß ur- kundliche Nennungen gelegentlich auf Zufällen beruhen, so kann doch bei völligem Fehlen von hoch- und spätmittelalterlichen Erwähnungen angenommen werden, daß Ursenheim schon früh endgültig wüst gewor den ist. Aus diesem Grunde ist es auch außerordentlich schwierig, die Ausdehnung seiner Feldmark festzulegen. Der hochwasserfreie südliche Teil seiner Gemarkung dürfte wieder zu Wald geworden sein, während die tiefer gelegenen Gebiete, die Wiesen in der Wieseckaue, wohl in das gräfliche Eigentum zurückfielen. Sie erscheinen zu Beginn der Neuzeit als gemeinsamer Weidebezirk von Gießen und Wieseck. Die Auseinandersetzungen um diese Koppelhut deuten darauf hin, daß zu mindest größere Teile dieses Gebietes einst zum Gebiet der Stadt ge hörten und diesem erst später teilweise wieder entfremdet worden sind. Unsicher bleibt, ob neben den westlichen Teilen der ehemaligen Gemarkung von Ursenheim auch die weiter östlich gelegenen Fluren ursprünglich zur Gießener Stadtmark zählten.

Die größte und bedeutendste der in Gießen aufgegangenen Siedlungen war Selters im Süden unserer Stadt, das ebenso wie Achstatt und Ur senheim schon in karolingischer Zeit genannt wird und das bis um das Jahr 1500 bestanden hat. Der Ort, dessen Kirche bis zur Reformation Mutterkirche für Gießen blieb, lag auf der Höhe des Seltersbergs zwi- schen heutigem Bahnhof, der Liebigstraße, der Wilhelmstraße und der Frankfurter Straße.

Aufgrund der für Selters relativ guten urkundlichen UÜberlieferung dür- fen wir annehmen, daß das Dorf Selters im Verlauf der zweiten Hälf- te des 15. Jahrhunderts oder sogar erst kurz nach 1500 endgültig wüst geworden ist. Seine Feldmark ist ebenso wie diejenigen von Kroppach und Achstatt vollständig in der Gießener Gemarkung aufgegangen. Sie reichte im Norden bis zur Talaue des Siechbaches(heute Klin- gelbach), wohl kaum weiter, da das Gebiet bis zum alten Wiesecklauf vor der Stadtgründung- wie bereits oben ausgeführt- völlig ver sumpft bzw. ständig von Hochwasser bedroht war. Im Osten folgte sie wahrscheinlich dem Lauf des Klingelbachs bis zum Heegstrauch, des- sen Name auf eine alte Landwehr hindeutet, die Selters gegen den Wiesecker Wald abgrenzte. Eine andere Landwehr, die später im Grenzstreit mit Klein-Linden eine besondere Rolle spielte, schloß die Selterser Gemarkung gegen Süden und gegen das Dorf Klein-Linden ab. Von dieser"Lindeser Hege ist die sogenannte herrschaftliche

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