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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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meter höher und wurde von den Hochwassern vergangener Zeiten nicht betroffen. Grenzirrungen und Auseinandersetzungen um einen gemein- samen Weidebezirk(Koppelhut) zwischen Gießen und Krofdorf im 16. Jahrhundert lassen es naheliegen, daß die Feldfluren der wüstgeworde- nen Siedlung Läufertsrod zwischen Gießen und Krofdorf geteilt wur den.

Im Norden der Stadt lag das schon in karolingischer Zeit genannte Dorf Achstatt, an dessen Existenz noch heute der Asterweg erinnert. Diese alte Ausfallstraße der Stadt erscheint 1379 als"Achsteder we- gen¹, 1450 wird ein Fischwasser in der Lone zu Achstatt erwähnt, während die Zinsregister von 1495 und 1553 das"Acksteder Feldu nennen. Mehrfach stoßen wir auch auf die"Achstätter Furtu, die den UÜbergang zu den auf der rechten Lahnseite gelegenen Feldfluren von Achstatt ermöglichen. Auf das Hinübergreifen der Achstätter Gemar- kung auf die westliche Flußseite weist auch eine Urkunde hin, die 1375 die Gemeinweide, d.h. die Allmende von Achstatt, dort erwähnt. Die bis dahin unsichere Ortslage von Achstatt glaube ich aufgrund massierter Keramikfunde im Norden der Flur 27 gegenüber dem neuen Teil des Neuen Friedhofs auf der westlichen Seite der Main-Weser- Bahn lokalisieren zu können. Der Siedelplatz liegt am Rand der älte- ren Talterrasse in rund 170 m Höhe auf einer tertiären, sandigen Schicht.

Haben wir wie im Falle von Kroppach, Diedolshausen und Selters auch keine schriftlichen Beweise des Ubersiedelns von Achstätter Bewoh- nern nach Gießen, so dürfen wir aus den überlieferten Flurnamen und den oben erwähnten Bezeichnungen doch schließen, daß die gesamte Feldflur des sicher nur kleinen Dörfchens in der Stadtgemarkung auf- gegangen ist. Sie umfaßte den gesamten Rodtberg, begrenzt von der versumpften"Schwarzlach im Süden, der Lahn im Westen und etwa der heutigen Marburger Straße im Osten. Im Norden und Nordwesten, wo der verlängerte, aus Wieseck kommende Lichtenauer Weg die Grenze bildete, griff sie in die Lahnebene über, und im Gebiet der Gänsweide lagen auch Teile auf der rechten Seite des heutigen Flußlaufes.

Des alten Gießens nördlichste Flur, die Flur 24, geht dagegen auf die Wüstung Diedolshausen zurück, eine vermutlich sehr kleine Siedlung, die südöstlich der Badenburg zu suchen ist. Das um die Mitte des 14. Jahrhunderts angelegte feste HausBadenberg ist wahrscheinlich erst nach dem Wüstwerden von Diedolshausen gebaut worden. Die damals neugebildete"Bademarku hat sicher den größten Teil der Diedolshäu- ser Fluren übernommen. Kleinere Gebiete fielen an die Anrainer Wie- seck und Lollar, während der südliche Teil zu Gießen kam, wohin der Zuzug von Diedolshäuser Einwohnern urkundlich nachgewiesen ist. Die- ses Teilungsverhältnis bestätigt die Anrechte, die die Gemeinden Wie-