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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
Seite
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Nun schauen wir uns zunächst einmal die Ortslage der Wüstungen um Gießen und die ungefähre Ausdehnung ihrer Gemarkungen an:

Im Westen der Stadt lag die Siedlung Kroppach- 1265 erstmals ur- kundlich erwähnt als Crupach- etwa am heutigen Ortseingang von Heuchelheim. An dieser Stelle setzt die untere Mittelterrasse der Lahn an und läßt den vermutlichen Siedelplatz von Kroppach zwei bis drei Meter über die Talaue des Flusses heraustreten. Scherbenfunde mittelalterlicher Keramik machen den Dorfplatz an dieser Stelle noch sicherer. Mehrere Urkunden aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhun- derts lassen das allmähliche Aufgehen des Dorfes in der Stadt Gießen erkennen, und aufgrund der vorhandenen urkundlichen Belege darf an genommen werden, daß die Siedlung wohl in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts endgültig verlassen wurde. Es geht aus diesen Zeug nissen eindeutig hervor, daß ehemalige Kroppacher Einwohner bereits in Gießen wohnten, aber von dort aus ihre Felder in Kroppach weiter bewirtschafteten. Die Erinnerung an diese Siedlung ist lange lebendig geblieben und hat sich im Namen des Baches bis heute erhalten. Das Kroppacher Feld, d.h. die ehemalige Kroppacher Gemarkung, lag jen- seits des alten Landwehrgrabens und war noch in der Mitte des vori- gen Jahrhunderts besonders bewirtschaftet. Um 1400 dürfte dieses Ge biet endgültig in der Gießener Stadtmark aufgegangen sein. Die ehe malige Gemarkung Kroppach läßt sich etwa folgendermaßen umschrei- ben: Von der Lahnebene an der Kropbach etwa 500 m vor ihrer Mün- dung zog die Gemarkungsgrenze ostwärts bis zum alten Landwehrgra ben, folgte diesem nach Nordosten und Norden, umfaßte den gesamten Hardtberg bis zur Hochfläche, griff dann südlich der Firma Schunk& Ebe weit in die heutige Heuchelheimer Gemarkung ein, lief am Geiersberg entlang nach Süden bis weit in die Lahnebene, um von dort nach Westen auf den Ausgangspunkt zu stoßen.

Eine andere Siedlung auf der westlichen Lahnseite, deren Feldfluren nur bescheidene Ausmaße gehabt haben können, war Läufertsrod. 1279 begegnet es erstmals urkundlich als Leutfridisrodu. Seine Felder be fanden sich in der Nähe des Umspannwerkes an der Landstraße nach Krofdorf, wo heute noch die Gewannamen uim Läufertsrodu und Läufertsrodu sowohl in Gießener wie in Krofdorfer Gemarkung auf- treten. Auf den alten Flurkarten des 18. Jahrhunderts lief der Läu fertsröderweg- nicht gleichzusetzen der heutigen Straße- von der alten Furt an der"Gänsweide über den alten Krofdorfer Weg am Umspannwerk vorbei zur Hardt. Die eigenartige Ausbuchtung der heu- tigen Gießener Gemarkung, auf der das Umspannwerk steht, ist nicht, wie man mutmaßen könnte, eine moderne Entwicklung, sondern in derselben Form und Ausdehnung schon auf den Karten des 18. Jahr- hunderts als zu Gießen gehörig bezeichnet. Oberflächlich betrachtet scheint dieser Platz, vermutlich der Siedelplatz von Läufertsrod, der breiten Lahntalaue anzugehören; in Wirklichkeit liegt er einige Dezi-