Druckschrift 
Christliche Leichpredigt, Von der Liebhaber Gottes unaußsprechlicher Himmels-Freude, Bey ansehnlicher Volckreicher Leich-Begängnus, Der Weyland Wohl-Edlen viel Ehr und Tugendreichen Frawen Maria Modesta D'Orville, Des auch Weyland Wohl-Edel, und Hochgelehrten Herrn Friederich D'Orville, Nachgelassener Wittib : Welche Den 18. Januarii, des 1665. Jahrs zu Heidelberg Selig in ihrem Erlöser Christo entschlaffen, und darauff den 23. im Chor der Kirchen zu S. Peter ganz Christ- und Ehrlich zur Erden bestattet worden / Gehalten, und auff begehren in Truck verfertiget Durch Marcum Floccenium, Pfarrern zu H. Geist daselbst
Entstehung
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6 An muß freilich geſtehen/ daß wahre Weißheit eine⸗

Chriſtiiche Leichpredigt.

fuͤr uns nehmen. uforderſt aber den grundgütigen Gott umb die gnadenreiche Huͤlffe und kraͤfftigen beiſtand des H. Geiſtes anruffen in und mit dem Gebett/ velches uns Jeſus Chriſtus ſelber gelehret hat.

Unſer Vatter /c. FEXT. 1. Cor 2.

Das kein Auge geſehen hat/ und kein Oh

hr gehoͤret hat/ und in keines Menſchen vertz kommen iſt/ das hat Gott

bereitet denen die Ihn lie⸗ ben.

K O R p 4.

herliche und über allemaſfen ſchoͤne fuͤrtrefliche Tugend/ ja ein Haupt und Muttertugend ſeye/ welche alle andere Tugenden nach ſich zeucht und in ſich verfaſſet. Dan was die Sonn iſt unter den Planeten/ das Gold unter den Metall

en/ der Verſtand unter den kraͤfften der Seelen /das Geſicht unter den euſſerlichen Sinnen/ das iſt die Weißheit unter den Tugenden: daher ſie nicht unfůglich mag ge⸗ nant werdeh cardinalium cardo, ein Haupt der Haupt⸗tugenden. Sintemal ſie ſchreibet Geſese fuͤr der Gerechtigkeit/ ſie ſezet gewiſſe grenzen der Mäſſigkeit ſie gibt krafftigen nachtruck der tapfferkeit/ ſum⸗ ma/ ſe iſt das Salß /welches einen rechten gefchmack gibt allen unſten von Gott verliehenen Gnadengaben. Nur allein daran iſt es gelegen/ daß man ohn Irthumb ſich verſichert halten koͤt

me/ welches doch das jenige ſey/ ſo man eigentlich fuͤr ſolche weißheit ʒu erkennenund anzlu⸗

nehinen habe. Iſts etwa eine Weißheit der Welt? Onein dan die⸗ ſer Welt Weißheit iſt Thorheit bey Gott /Cor. 3.1. Was dan? Ant⸗ wort: Eine Weißheit die von oben herab komt/ und eine Frucht des HGeiſtes iſt. Eph. 1. 1. Eſa. 1/ 2. ein. Weißheit die mit wahrer Got⸗ tesfurcht vergeſellet iſt. Prov. 9. 10. eine klugheit der Gerechten. Luc.1. N. Eine weißheit zur Seligteit.. Tim.ʒ. 1y.

In ſumma/ es iſt die Weißheit/ welche uns Gott in ſeinem worte durch das heilige Euange⸗

lium

elie Mit eſter auff ihrem Todrberte Geiſterquickenden Troſt ge⸗ reichtich gefunden nd empfunden hat/ zn betrachten