Druckschrift 
Hertzens-Angst, Auß dem XXV. Psalm. v. 16. 17. 18. In gehaltener Trauer- Trost- und Gedächtniß-Predig, Bey Christlicher Leich-Begängniß Der Wol-Edlen, Groß- Ehr- und Tugendreichen Frauen Elisabeth Catharinen Tülßnerin, Geborner Antoniin, Deß Hoch-Edlen, Vest- und Hochgelahrten Herrn Gregorii Tülsneri Der Rechten vornehmen Doctoris, und weitberühmten Professoris, auch Fürstl. Hessen Darmbstadischen wolverdienten Rahts, [et]c. itzo hochbetrübten Wittibers, Liebsten Ehgattens : Als Sie den 6. Junii, Anno 1670. zu Giessen in Christo ihrem Erlöser selig entschlaffen, und folgenden 10. Tag desselben Monats, Christlichem Gebrauch nach, ansehnlich zur Erden bestattet worden / Erklärt in der Pfarr-Kirch daselbsten von Johanne Nicolao Mislero, der H. Schrifft Doctore, Professore, Mit-Predigern und Superintendenten, [Henrico Phasiano, Johannes Weiss, Hartmannus Jacobi, Petrus Haberkorn, Anton. Henricus Möllenbecius, Laurentius Strauß, H.R., Kilianus Rudrauffius, Friedrich Nitzschke, Henricus Petrus Haberkorn, Clas Christoff Lüncker, Johann Philipp Gießwein, Henrich Wilhelm Graßhof, Meno Hannekenius, Ludivig Gottfried Hoffmann, Georgius Hector Mentzerus, Balthasar Mentzerus, Meno Reiche, Viduus, Philippus Ludovicus Hannekenius, Mentzerus Johannes Ludovicus]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26 Chriſtliche Leich⸗Predigt.

de/ welcher auch ſeines eingebornen/ Heriallerlicbſten Sohns nicht hat verſchonet/ ſondern/ denſelben vor alle unſere Suͤnde dahin gegeben/ wie ſolte er uns mit demſelben nicht alles ſchencken? Roöm. 8. verſ 32 der iſt das Lamm GDttes/ welches die Suͤnde der Jantzen Welt traͤgt/ Joh. 1. v. 29. nicht allein dieſelbe/ als das rechte Schlacht⸗Dpffer/ an das Creutz getragen/ und dawor bezahlet und genug ge⸗ than/ ſondern ſie auch noch taͤglich verßibt und hinweg trägt davon Hiſtias ſaget: Du haſt dich meiner Seelen hertzlich an⸗

genommen/ daß ſie nicht verduͤrbe/ dann du wirffſt alle

meine Suͤnde hinter dich zu ruck/ Eſa.3. v.. Gleich

wie etwann der loͤbliche Kaͤiſer Conſtantinus Magnus bey der

groſſen Verſammlung zu Nicæa die Klag⸗Schrifften der

Biſchoffen/ die ſie wider einander eingaben/ ins Feuer geworf⸗

fen/ und damit an Tag gegeben/ deroſelben Klagen und Ge⸗

braͤchen ſolten nicht mehr gedacht werden/ und ſoltens die Bi

ſchoͤffe auch hin/ und vergeſſen ſeyn laſſen/ wie die Kirchen⸗Hi⸗

ſtori Socratis und Rufni davon zeugen. Alſo will auch GTT der HERR Moſis und deß Satans Klag⸗Re⸗

giſter hinter ſich zu rucke werffen/ die Sunde alſo vergeben/

daß derſelben nimmermehr ſoll gedacht werden/ Ezech. 18. v. 22.

willſie gar in die Turffe deß Meers verſencken/ Mich. 1 v. 19

daß gleich wie man ein abſcheulich Ding von ſeinem Angeſicht

wegſchafft/ und in ein tifffes Waſſer hinein weꝛffenlaͤſt: Sowi

GVtt all unſere Suͤnde von ſeinem Heiligen Angeſicht weg

thun um Chriſti unſers einigen Suͤnden⸗Buͤſſers willen/ daf

daß ſie ewig vergeſſen und vergeben ſeyn ſollen.

Das gereichet einem armen Suͤnder zum hertlichen Troſt/ der wegen ſeiner Suͤnden geaͤngſtiget wird/ und mi Dayd klagen muß: Die Ingſt meines Herzens iſt groß 2

1