Leich⸗Predigt. 27 Kan man alſo aus der Redens· Art an und vorſich ſelbſt allein nicht be⸗ weiſen/ daß die jenige von welchen ſtehet/ ſie ſeyen zu ihren Vaͤttern verſamlet worden/ in den Him̃el kom̃en/ ſondern das muß aus andern Umſtaͤnden erhellen. Alſo wann von Gott geſagt wird/ daß er den Geiſt und Odem ju ſich ſammle/ Job. 34/14. Sokan man leicht ab⸗ nehmen/ daß alda von dem Tode der Gerechten gehandelt werde/ derer Seelen Gott zn ſich nim̃t in den Him̃e/da ſie ewigwol nñ geſichert ſeyn. Und in ſolchem Verſtand wird ſonder Zweiffel von Jeſala allhier das Wort gebrauchet. Doch muß man den Leib von der Berſammlung nicht ausſchlieſfen/ dann ob er gleich in die Erde verſcharret wird/ ver⸗ weſet und verſtanbet/ ſo muß doch anjenem Tag wiedeꝛ alles zuſammen. Auch iſt das Grab eine ſichere Scheuer/ dahinein Gott die Gerechten auff dem Todes⸗ Wagen fůͤhret. Unſer Seel. Hꝛ. Lutherus hats ge⸗ geben auffoder wegraffen/ und ſonder Zweiffel auff den ſchnellen fruͤhzeitigen und ohnvermutheten Tod der Gottſeligen ſein Abſehen ge⸗ habt/ da der himmliſche Batter feine liebe Kinder gleichfam zu ſich reiſfet/ wie etwa ein irdiſcher Vatter ſein Kind aus dem Wege reiſſet oder raffet/ wanner Pferde und Wagen auff daſſelbe zugehen ſiehet/ und es alfo in Sicherheit bringet. Wiewol ſolches auch auff die Ein⸗ ſam̃lung der Frůchten ſich ſchicket. Dann/ wie bereits droben erweh⸗ net worden/ wann der Ackermannzur Erndte Zeit mercket daß ein Uin⸗ gewitter auffſteiget/ fo laͤſſet er geſchwind die Fruͤchte in Garben bin⸗ den/ oder ſo ſie ſchon gebunden ſeyn/ raffet er fie in der Eyl zuſammen/ und fuͤhret ſie in die Scheure. Die Gerechte ſind ein koͤſtliches Wei⸗ zentoͤrnlein/ Gottes Ackerwerck/ die Frucht bringen in Gedult/ dar⸗ umb raffet ſie Sott aus groſſer kiebe weg für dem Unglůck/ dp nynn fuͤr dem Boͤſen/ oder fuͤr allem Ubel/ fur dem Sünden⸗Ubel/ wie der weiſe Mann ausleget/ wann er alſo von dem Gerechten ſchrei⸗ bet: Er wird weggenommen aus dem Leben unter den Suͤndern/ und wird hingerucker, daß die Boßheit ſeinen Ve ſtand nicht verkehre/ noch falſche Lehre jeine Seele be⸗ triege. Damnn die boͤſen Ex mpel verführen und verderben einem das Gut/ und die reitzende Auſt veꝛkehret unſchuldige Vertzen. Vor dem Straff· Ubel«ber rafjet Gott anch die Gerechten weg/ damtt ſie nicht deſſelben theilhafftig werden/ wie der HErr dem
frommen Koͤnig Joſiæ anfagen Ich wil dich zu deinen. Reg. ⁊/ 2
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Sap. 4/to.


