Druckschrift 
Die Goslarer Straßennamen : ein Beitrag zur städtischen Verfassungstopographie des Mittelalters und zur vergleichenden Straßennamensforschung ; mit einem Stadtplan / von Karl Frölich
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen

4150

Der Straßenname Sack, der noch um die Mitte des vorigen Jahr- hunderts neben Heerwinkel gebräuchlich war, ist in Abgang ge- raten. Die Bezeichnungen hinter der Mauer, gegen der Mauer usw. sind geändert. Im Frankenberger Bezirk ist an ihre Stelle die Wall- gasse, an der Nordseite der Stadt die Zehntstraße und die Mauer- straße getreten, während unter Wegfall der NamenGröpern und Straße gegen der Mauer im unteren Stadtteil die Kornstraße bis zum Breiten Tor durchgeführt ist. Die Fingerlingstraße ist mit der Neuen Straße vereinigt(1877). Seit dem Ausgang des vorigen Jahrhunderts ist der NameKaninchenstraße in Gebrauch, der zur amtlichen Straßenbezeichnung aber erst 1925 geworden ist.

Jüngere Straßenbezeichnungen sind Ober-, Mittel- und Unter- gasse(1912) sowie Kreuzgasse(1912), bei der aber anscheinend Anlehnung an eine noch im Volksmunde lebendige Überlieferung gesucht ist. Der Wurstewinkel ist 1913 fälschlich zum Wort- satenwinkel umgetauft. Die heutige Spitalstraße trägt ihren Namen erst seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der Platz hin- ter den Brüdern ist zum Ziegenplatz, später Greifplatz geworden (1927).

Die Judenstraße hat im Jahre 1934 die Bezeichnung Kurze Straße erhalten.

Damit ist im wesentlichen erschöpft, was an Änderungen der Straßennamen aus neuerer Zeit in Betracht kommt.

II. Spuren ehemaliger Wegeverbindungen im heutigen Stadtbilde.

Bei einer Auswertung des heutigen Stadtgrundrisses für die Zwecke der Straßennamenforschung bedarf noch ein Umstand der Erwähnung, auf den ich bereits im Vorstehenden mehrfach hinge- wiesen hatte. Wenn man sich nicht auf die überlieferten Straßen- züge beschränkt, sondern auch das zwischen ihnen befindliche Ge- lände und die Art seiner Bebauung ins Auge faßt, lassen sich weitere Aufschlüsse gewinnen, die in ihrer Bedeutsamkeit nicht zu unter- schätzen sind. Es ist zu beachten, daß einzelne wichtige, später auf- gegebene Wegeverbindungen noch heute als Privatstraßen eine Rolle spielen oder daß doch in Lücken der Bebauung, in der Stel- lung der aus dem Mittelalter stammenden Häuser oder in sonstigen Eigentümlichkeiten Spuren des früheren Straßennetzes erhalten ge- blieben sind. Welcher Wert diesem Gesichtspunkt beizumessen ist, zeigte sich z. B. bei der Festlegung des Verlaufs der Hinteren Mar- stallstraße, der den Neumarkt berührenden Berstraße und der