D. Das Straßennetz des Stadtkerns in der Gegenwart.
I. Überblick.
Bei einem Vergleich des spätmittelalterlichen Straßennetzes im Stadtkern mit den heutigen Verhältnissen zeigt sich eine weit- gehende Übereinstimmung. Nach den Eingriffen, die zur Beseiti- gung des westlichen Gosearmes und zum Verschwinden der Vogt- Konradstraße, aber auch zu sonstigen Umgestaltungen, wie bei der Marktanlage und in der Umgebung der Gosestraße, geführt hatten, ist der Stadtgrundriß jahrhundertelang so gut wie unverändert ge- blieben. Die vorhandenen Wegezüge, wenigstens die wichtigeren von ihnen, haben sich in ihrem alten Verlaufe bis zur Gegenwart behauptet, nicht-selten sogar, ohne ihren früheren Namen zu ver- lieren. Nur in einzelnen Fällen sind der Jetztzeit zu, um neu auf- tretenden Bedürfnissen zu genügen, Straßendurchbrüche von nicht sehr erheblicher Bedeutung erfolgt, oder es sind Umbenennungen vorgenommen worden.
So sind die Wälle zum Teil straßenmäßig ausgebaut, im Jahre 1835 ist dies etwa bei dem Thomaswall, dem Schäferwall und dem Bürgerwall zu verfolgen. Bei dem Schäferwall, der aber schon um 1800 als bebaut erwähnt wird, ist eine Abzweigung als Graben- straße besonders benannt(1913). Die Straße hinter dem Münster hat der Wallstraße Platz gemacht. Als ein Durchbruch von der Ket- tenstraße zum Klaustorwall stellt sich die Steinbergstraße(1893), als ein solcher von der Glockengießerstraße zum Thomaswall die Dorothea-Borchers-Straße dar(1928). Als Verlängerung der Schie- lenstraße über die Glockengießerstraße hinaus ist die Straße an der St. Annenhöhe hinzugekommen(um 1900).
Als neuer Straßenname erscheint nach dem Anschluß Goslars an das Eisenbahnnetz in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Bahnhofstraße, die früheren Bezeichnungen Kuhstraße, Straße am Jakobikirchhof und Rosentorstraße verschwinden. Nach einem kurzen, durch die politischen Zustände verursachten Zwischenspiel ist die Bahnhofstraße 1945 unter Wiederbelebung einer der frühe- ren Teilbezeichnungen zur Rosentorstraße geworden


