Druckschrift 
Die Goslarer Straßennamen : ein Beitrag zur städtischen Verfassungstopographie des Mittelalters und zur vergleichenden Straßennamensforschung ; mit einem Stadtplan / von Karl Frölich
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen

a We

Überlieferung in der Gegend des Kohlgartens unweit des Breiten Tores seinen Ausfluß aus der Stadt.

Nicht unwahrscheinlich ist, daß von vornherein eine Verbin- dung zwischen Ost- und Westgose bestanden hat, die etwa dem heutigen Gosekanal entsprach, da an ihr bereits im 12. Jahrhundert die Frankenberger Mühle??) und etwas später auch die mit der Mühlebei der Bergbrücke sich deckende Klausmühle®) bezeugt sind.

Neben ihr muß es aber zwischen Ostgose und Westgose zum Gosewinkel hin eine zweite Querverbindung gegeben haben, die ge- kennzeichnet ist durch eine am heutigen Gemeindehofe belegene Mühle, durch einen noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erkennbaren Wasserlauf auf dem Markte°!) sowie durch die sog. Kramerbrücke, die dorf zu suchen ist, wo in der Nähe des alten Kramergildehauses Breite Straße, Fleischscharren- und Fische- mäkerstraße zusammenstoßen, und bei der weniger an eine eigent- liche Brücke, als vielmehr an einen Bohlweg über sumpfiges Ge- lände zu denken ist. Ihre Fortsetzung bildete die Fischmenger- straße, die ihren Namen den hier seßhaften, auf fließendes Wasser angewiesenen Fischmengern, den Fischhändlern, verdankt. Aus der Fischmengerstraße ist dann im 18. Jahrhundert, wohl durch Angleichung an die benachbarte Fenstermäkerstraße, vielleicht auch an die Piepmäkerstraße, als man die ältere Bezeichnung nicht mehr verstand, die Fischemäkerstraße geworden.

Die vorstehend gekennzeichneten Verhältnisse haben aber das 13. Jahrhundert nicht überdauert.

Wahrscheinlich im Zusammenhang mit Umwälzungen im Ver- fassungsleben der Stadt erfolgte um die Mitte des 13. Jahrhunderts eine großzügige Entwässerung des Stadtinneren, durch die der größte Teil des Weihers trocken gelegt und der Raum für das neue Gildehaus der Kaufleute und für den heutigen, in seiner jetzigen Form erst damals geschaffenen Marktplatz gewonnen wurde. Es handelt sich dabei um einen Sachverhalt, an den bis zur Gegenwart der Name des Kaufleutegildehauses, der Kaiserwort, als einer Wort, d. h. als eines ehemals vom Wasser umspülten Geländes, so- wie die Wortsiraße erinnern.

In Verbindung damit steht vermutlich eine weitere Umgestal- tung des Gewässernetzes. Damals dürfte die Westgose beseitigt und durch das System der Beeke, einer Anzahl offener, aus dem Gose- kanal gespeister, aber nicht ständig unter Wasser gehaltener Ka-