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Geschichte von Burg Gleiberg / von Dr. Hugo von Ritgen, Geh. Baurath und Professor ; herausgegeben vom Oberhessischen Verein für Localgeschichte
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26 Geſchichte von Burg Gleiberg.

übrigen Räume, namentlich des hohen Daches, dienten als Fruchtſpeicher und Vorrathsräume, deren man viele bedurfte, weil die Einkünfte des Burgherrn, namentlich ſeines Vogtes, meiſtens in Naturallieferungen beſtanden, darunter auch Wein.

Um dieſelbe Zeit und ſchon etwas früher mögen mancherlei bauliche Veränderungen auf der Burg vorgekommen ſein, ſo die Aufführung der dritten Etage auf dem zweiten Palas über der dortigen Kapelle; etwa um 1540 1550. Ferner die Anbringung verſchiedenartiger Schießſcharten in dem großen Mantel am Bergfried, wie ſolche durch die Einführung und die Fortſchritte im Gebrauche der Feuerwaffen bedingt wurden.

Im Ganzen blieb die Burg Gleiberg wohlerhalten und wurde, wenig⸗ ſtens zeitweiſe, von ihren Beſitzern bewohnt bis zum Beginn des dreißig⸗ jährigen Kriegs(1618 1648). Als aber in dieſem Kriege Graf Ernſt Caſimir mit anderen Fürſten in des Kaiſers Ungnade gefallen war, wurde das gemeinſchaftliche Amt Gleiberg ſammt der Burg an Heſſen⸗Darm⸗ ſtadt überwieſen und letztere durch Soldaten von Gießen aus beſetzt. Als dann in dem Kriege des Kaiſers Ferdinand III gegen Schweden und Frankreich der Friedenscongreß 1643 zuſammentrat, erhielt Naſſau das Amt Gleiberg nach ſchwierigen Unterhandlungen zurück; worauf Graf Ernſt Caſimir von Naſſau⸗Saarbrücken ſich auf dem Schloßhofe zu Glei⸗ berg aufs Neue feierlich huldigen ließ(1646). Doch noch in demſelben Jahre eroberten die Truppen von Heſſen⸗Kaſſel vereint mit den Schweden unter Königsmark und Wrangel Marburg und blockirten Gießen und der Heſſen⸗Kaſſeliſche General Geiß erſchien mit einer Heeresabtheilung, um Gleiberg, das unterdeſſen von Gießen aus mit einem Commando unter Hauptmann Hoffman beſetzt und mit Doppelhacken verſehen worden war, durch einen Handſtreich zu nehmen. Allein die Heſſen⸗Darmſtädter ver⸗ theidigten die Burg ſo tapfer, daß die Kurheſſen mit 2 Wagen voll Todten und Verwundeten nach Reiskirchen zurückzogen.(Wie Gimpel erzählt.) Ein in der folgenden Nacht wiederholter Angriff wurde abermals abge⸗ wieſen, indem 38 Mann getödtet und 2 Officiere gefangen genommen wurden. Nun aber wurde eine förmliche Einſchließung der Burg unter⸗

zu Deutſch: Ohn' Waſſer getrunken den Wein

Nimmt raſch den Kopf dir ein;

Drum trink vom kühlen Quell,

Dann bleibt's im Kopf dir hell. Leider gibt Merian keine Abbildung von Gleiberg außer im Hintergrunde einer An⸗ ſicht von Gießen.