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Geschichte von Burg Gleiberg / von Dr. Hugo von Ritgen, Geh. Baurath und Professor ; herausgegeben vom Oberhessischen Verein für Localgeschichte
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Geſchichte von Burg Gleiberg.

Freiheit, daß ſie, ſolange er lebe, keine Bede noch ſonſtige Abgabe geben ſollen; dagegen ſollen ſie ihren Burgfrieden halten, die Pforte zum Daille (d. i. zum Thal, Burgflecken Gleiberg) behüten, bewahren und bewachen, wie es nöthig iſt, ferner die Pforten, Mauern, Stege und Graben, und was darzu gehört in wehrlichem Bau warten und erhalten, wie bisher. Weiter wird beſtimmt, daß ſie jährlich einen Tag der Herrſchaft helfen ſollen Heu machen, einen Tag Korn ſchneiden und einen Tag Waitzen ſchneiden. In ähnlicher Weiſe hatte Graf Philipp II 1490 ¹) ſich mit der Ge⸗ meinde Atzbach auf drei Jahre vertragen, daß ſie von der Atzunge, Jäger und Hunden und allem Dienſt befreit ſein ſollten, ausgenommen zwei Holzfuhren, eine auf Chriſtag, die andere anf Oſtern, zu Gleiberg auf die Burg, ferner die Weingarten⸗ und die Mähearbeit und den Thurmhüter⸗ dienſt; dagegen ſoll die Gemeinde jedes Jahr noch 50 Gulden bezahlen.

Als im Jahre 1514 mit Johann II die Linie Naſſau⸗Saarbrücken erloſch, fiel die Herrſchaft an der Lahn an Weilburg. Hier folgte auf Ludwig I, welcher 1523 ſtarb, deſſen Sohn Philipp III, welcher bis 1559 regierte. Dieſer hatte zwei Söhne: Albrecht und Philipp IV, welche ſich nun in die Länder theilten, ſo daß Albrecht Weilburg und Philipp Saarbrücken erhielt. In dieſe Zeit könnte, dem Stile nach zu urtheilen, die Erbauung des neuen Schloſſes, des ſogen. Naſſauer Baues gehören.

Wahrſcheinlich alſo war es Graf Albrecht, der mit Anna, Gräfin von Dillenburg vermählt, ſich eine gemächlichere und einer fürſtlichen Hof⸗ haltung angemeſſenere Wohnung als jen⸗ in dem alten Palas bis dahin geweſen war, errichten ließ.

Zu dieſem ſtattlichen Baue und zu der Durchfahrt durch dieſelbe führte dann die neue Burgſtraße, bequem für Roß und Wagen, von der Südſeite her auf den geräumigen untern Burghof. Im untern Stock des Schloßgebäudes waren, rechts von der Einfahrt, die behaglichen kleineren Wohnräume, links die Wirthſchaftsräume und die Schloßküche mit dem ungeheuern auf Säulen ruhenden Kamine. Im obern Stock aber lagen die Feſtſäle, in deren einem noch heute an der Decke das Merenberger Wappen, ein Andreaskreuz mit Roſen in den Winkeln ſichtbar iſt ²). Die

¹) Siehe die Abſchrift. ²) In der Topographie des Lahngau's von Matt. Merian von 1655 heißt es: In dieſem Schloß Gleiberg in einem Saal iſt dieſe alte faſt unleſerliche Schrift zu

ſehen geweſen Fabricat in fronte vinum sumtum sine fonte, Ergo bibe fontem, si non vis laedere frontem.

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