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Geschichte von Burg Gleiberg / von Dr. Hugo von Ritgen, Geh. Baurath und Professor ; herausgegeben vom Oberhessischen Verein für Localgeschichte
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Geſchichte von Burg Gleiberg. 27

nommen und ein Bombardement ausgeführt. Dreihundert Kanonenſchüſſe wurden auf die Burg gethan und dieſelbe dann durch Feuerwerfen in Brand geſteckt. Mangel an Waſſer und Brod nöthigte nun den Com⸗ mandanten, ſich auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Er bat nur noch, das uralte gräfliche Haus löſchen zu dürfen, damit daſſelbe nicht gänzlich in Aſche gelegt werde.

Allein dieſe Bitte wurde mit der Erwiderung abgewieſen:Des Ge⸗ neralmajors Fürſtin zu Kaſſel, wie auch der Landgraf zu Darmſtadt hätten kein Haus auf Gleiberg.

Die Sieger ſchleppten nun noch alles Stroh und ſonſtige Material zuſammen, um die Feuersbrunſt noch tüchtig zu ſchüren. Bei welcher Gelegenheit auch das Archiv zu Gleiberg vernichtet wurde.

Wie es nach der Zerſtörung der Oberburg auf Gleiberg geſtanden hat, darüber gibt es wenig Nachrichten. Auffallend iſt, daß der Naſſauer Bau bei der Belagerung ſo wenig beſchädigt wurde, obgleich deſſen oberer Stock nur ein Holzbau iſt, und es kaum anzunehmen iſt, daß derſelbe erſt nach 1646 errichtet worden ſei. Die Burg blieb im Beſitz der Linie Naſſau⸗Weilburg. Auf Ernſt Caſimir folgte 1655 ſein Sohn Friedrich, dieſem 1675 Johann Ernſt und 1719 Carl Auguſt, welcher 1737 den fürſtlichen Titel annahm. In einer Urkunde ¹) vom 11. Juli 1729 belehnt Kaiſer Carl VI dieſen Carl Auguſt, Grafen zu Naſſau, Saarbrücken, Weilburg und Sarwerden, Herrn zu Lahr, Wisbaden und Idſtein für ſich und als der Zeit Aelteſter und Lehnsträger ſeiner Agnaten, nehmlich Charlotten Amalien, verwittweten Fürſtin zu Naſſau⸗Dillenburg, als verordneter und beſtätigter Vormünderin ihrer minderjährigen Prinzen Carl und Wilhelm Heinrich zu Naſſau, mit nachgeſchriebenen Stücken und Gütern: Ein Schloß genannt Gleiberg, item das Gericht Hüttenberg, item einen halben Theil am dem Dorf Großenlinden u. ſ. w. Dieſe Prinzen waren Stammvettern Carl Auguſts und ſchloſſen 1738 mit dieſem einen Primogeniturvertrag, wonach in allen Walramiſchen Beſitzungen in jeder Linie nur der Aelteſte folgen ſollte. Aber erſt Carls von Uſingen Sohn, Friedrich Auguſt(18031816), vereinigte alle Naſſauiſchen Länder wieder und ward dann ſouveräner Herzog von Naſſau 1806; und als die Linie Uſingen 1816 ausſtarb, trat Wilhelm, Sohn Friedrich Wilhelms von Weilburg, am 30. Juni 1816 durch Staatsvertrag die Herrſchaft Gleiberg an den König von Preußen ab, und wurde die Burg Gleiberg dem Kreiſe Wetzlar zugetheilt.

¹) Idſteiner Copialbuch. Siehe die Abſchrift 1729.