18 Geſchichte von Burg Gleiberg.
Laut der zweiten Urkunde von 1510 ¹) überläßt Graf Ludwig von Naſſau⸗Saarbrücken dem Frühmeſſer der Kapelle zu Gleiberg einen Trieſch an der Hommersbach mit allem Zubehör. Darin geſchieht des Vogtes Eberten Stommel zu Glyberg Erwähnung.
Doch zurück zum Faden der Geſchichte.
Es war eine gar traurige Zeit für Deutſchland, die Zeit des Fauſt⸗ rechts während des Interregnums von 1250 bis 1273; die Geſetze ſchwie⸗ gen und an die Stelle des Rechts war Gewalt und Uebermacht getreten, ein Fürſt befehdete den andern, eine Stadt die andere, ein Bürger den andern; die Geiſtlichkeit, nur auf Vergrößerung der eignen Macht bedacht, ſuchte die Flammen und die Wuth der Streitenden zu vermehren und dann von der allgemeinen Unſicherheit und Noth ihren Vortheil zu ziehen. Jeder kleine Herr ſuchte ſich hinter den Mauern ſeiner Burg gegen die Bedrückung mächtigerer Gebieter zu ſchützen, zugleich aber durch Schutz⸗ und Trutz⸗Bündniſſe mit anderen kleinen Herren ſo mächtig zu werden, um den verhaßten Gegner angreifen, berauben und unterwerfen zu können.
Gleiberg ſelbſt ſcheint während all der Unruhen nicht direct ange⸗ griffen, wenigſtens nicht belagert worden zu ſein. Es war bis zum Jahr 1225 Mittelpunkt der alten Gaugrafſchaft geblieben und nicht beunruhigt worden, wenngleich ſeine Beſitzer vielfach in Kämpfe verwickelt worden waren. Als aber Kaiſer Rudolf's von Habsburg im Jahre 1273 kräftige Handhabung des Landfriedens begann, da hatte auch Hartrad V getreu zum Kaiſer gehalten und erhielt zum Lohn dafür am 28. Juli 1290 laut Ur⸗ kunde im Idſteiner Archiv ²) einen kaiſerlichen Freiheitsbrief für Meren⸗ berg und die damit verbundenen Rechte, und doch konnte Albert, Herzog von Oeſtreich laut erwähnter Urkunde vom Februar 1292, es wagen, ihn dem Kaiſer abtrünnig machen zu wollen.
Aus einer höchſt merkwürdigen Urkunde im Archiv zu Idſtein ³) geht hervor, daß gleich nach dem Ableben Hartrad's VI von Merenberg ſeine Wittwe Lyſa, geborne Gräfin von Sayn und deren Bruder Johann von Sayn mit Gerlach, Grafen von Naſſau und ſeiner Frau Agnes ⁴) ein Ehebündniß zwiſchen der älteſten Tochter Gertrud Hartrad's VI und
¹) Siehe dieſelbe.
²) Idſteiner Copialbuch 519.
³) Originalurkunde vom 21. November 1328.
¹) Graf Gerlach von Naſſau war der dritte Sohn Kaiſer Adolfs von Naſſau, und Agnes, ſeine Frau, war eine Tochter des Landgrafen Heinrich II von Heſſen.


