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Geschichte von Burg Gleiberg / von Dr. Hugo von Ritgen, Geh. Baurath und Professor ; herausgegeben vom Oberhessischen Verein für Localgeschichte
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Geſchichte von Burg Gleiberg. 13

Grafſchaft Gleiberg damals unter die Erben des Gleiberger Hauſes ge⸗ theilt wurde, ſo daß nur das mittlere Lahnthal nebſt Hüttenberg bei

Gleiberg verblieben.+ Vielleicht war die in den Urkunden ſeit 1129 oft

erwähnte Clementia in Glizberg comitissa eine Schweſter oder Tochter von ihm. Laut mehrfach beſtätigten Urkunden gründete nämlich 1129 die edle Gräfin Clementia von Gleiberg, Gemahlin des Grafen Gerhard von Geldern, das Kloſter auf dem Schiffenberg bei Gießen für Brüder von der Regel d. heil. Auguſtinus, und im Jahr 1141 erklärt ſie in einer weitern Urkunde, daß ſie mit Zuſtimmung und mittelſt eigner Schenkung ihrer Neffen Otto und Wilhelm(cum meis nepotibus Ottone et Wilhelmo) auf ihrem Allod Schyfenberg eine Kirche erbaut und Brüder von der Regel d. h. Auguſtinus hingeſetzt habe. Nach dem noch in dem⸗ ſelben Jahre erfolgten Ableben der Gräfin Clementia war das Haus Gleiberg auf deren beide Neffen, die Grafen Wilhelm und Otto reducirt; die Burg Gleiberg war beiden gemeinſchaftlich. Damals, 1130 1150, entſtand die Stadt Gießen nebſt Burg zum Schutze von Schiffenberg, und es ſcheint eine Theilung unter den Vettern geſchehen zu ſein, wobei Graf Wilhelm Gießen und die Wieſecker Mark, Graf Otto aber Vetzberg und die Lahnorte bis Dorlar und Garbenheim erhielt. Vetzberg wird ur⸗ kundlich 1152 zum erſten Male genannt. Wilhelm's Wittwe, Salome, erſcheint in Urkunden von 1197 als Comitissa de Gysen und es beſtand alſo ſchon damals eine von Gleiberg getrennte Grafſchaft Gießen 1). Die Tochter Wilhelm's und der Salome, Mechtild, vermählte ſich um 1206 mit dem Pfalzgrafen Rudolf I von Tübingen.

Um dieſe Zeit wurde die Burg Gleiberg wahrſcheinlich bedeutend vergrößert und ſtärker befeſtigt, auch die Burgkapelle(h des Grundplans) erbaut; denn, dem Stile der erhaltenen Reſte der Kapelle nach, gehört ihre Entſtehung dem Anfange des 13. Jahrhunderts an. Durch die Gräfin Mechtilde kam nämlich die Hälfte der Grafſchaft Gleiberg an die Pfalzgrafen von Tübingen, während die andere Hälfte dem Geſchlechte der Herren von Merenberg zufiel, da Irmengard, die Tochter des Grafen Otto von Gleiberg, die Gemahlin eines Herrn Hartrad II von Meren⸗ berg wurde.

Die Herren von Merenberg waren kleine Dynaſten, Beſitzer der Burg

¹) Salome ſtammte vermuthlich aus dem Hauſe Naſſau, und bei der Theilung der Vettern Otto und Wilhelm war Gießen wohl Wilhelm zugefallen, daher Salome Gräfin von Gießen genannt wird.