8 Geſchichte von Burg Gleiberg.
feuer geheizt wurde, deren Dunſt durch die erwähnten Schlitze Abzug fand.
Der erſten Balkendecke folgten in angemeſſener Zimmerhöhe noch drei weitere Balkendecken, deren Balken auf Mauerabſätzen ruhten, ſo daß die Stärke der Mauer nach oben bis auf 2,00 m abnahm, und daher das oberſte Gemach 9,20 m Durchmeſſer hatte. Oeffnungen in den Balkendecken und Leitern ermöglichten den Zugang und den Verkehr in den verſchiedenen Etagen, von welchen aber nur die oberſte ein Fenſter und zwar nach Norden hin beſaß.
Nimmt man an, daß nur der untere Raum über dem Verließ und das erwähnte oberſte Gemach als eigentliche Wohnräume dienten, die beiden Zwiſchenetagen aber als Schlaf⸗ und Vorrathsräume benutzt wur⸗ den, ſo konnten im Falle der Noth 50 bis 60 Perſonen darin unterge⸗ bracht werden, und wenn hinreichender Vorrath an Lebensmitteln vor⸗ handen war, 30 bis 40 Tage dort aushalten. An eine regelrechte Be⸗ lagerung war damals noch nicht zu denken und da die Vaſallen nur für 40 Tage zur Heeresfolge verpflichtet waren, ſo gingen ſie auseinander, ſobald dieſe verfloſſen waren und gaben die Belagerung auf.
Die Fortſetzung der Ringmauer(Zingeln) an der Nord⸗ und Weſt⸗ ſeite diente dort zugleich als äußere Wand des Herrenhauſes, des Palas, von Gleiberg; doch iſt davon nichts mehr in ſeiner urſprünglichen Form erhalten, und auch die urſprüngliche Pforte der Burg mit ihrer Be⸗ feſtigung iſt durch ſpätere Umbauten verſchwunden oder doch unkenntlich geworden.
Nur ein Keller und deſſen Mauern laſſen noch auf Lage und Größe des Palas ſchließen. Es ſcheint aber, daß die äußere Mauer dieſes Palas (gleich dem Mantel an der Oſtſeite) keine Fenſter und keinerlei Schlitze hatte, ſondern daß alle Oeffnungen nur nach dem Burghofe hin ange⸗ bracht waren; um ſo wirkſamer konnte daher die active Vertheidigung von dem ringsum laufenden Zinnenkranze aus ſein.
Solch eine Burg mußte wohl ein düſteres drohendes Anſehen haben, und in derſelben konnte es noch kein behagliches, poetiſches, ritterliches Leben, wie es ſich im 11. und 12. Jahrhundert erſt entwickelte und die Dichter des 13. Jahrhunderts es ſchildern, geben. Das Chriſtenthum war über die Völkerſchaften gekommen, aber nicht in chriſtlich deutſchen, ſondern in heidniſch antiken Formen und in lateiniſcher Sprache. Aller Gottesdienſt war nur Aeußerlichkeit bei dem Volke wie bei den Geiſtlichen,* welche dieſem weder in Zucht noch in feiner Sitte mit gutem Beiſpiele


