Geſchichte von Burg Gleiberg. 7
Abtheilung beträgt 4,00 m und eben ſo viel die Mauerſtärke. Dieſer Raum bildete das ſogenannte Verließ, er war 11,50 m hoch und dann mit einem Kuppelgewölbe geſchloſſen, in deſſen Mitte ein viereckter beweg⸗ licher Schlußſtein eingeſetzt war, ſo daß wenn dieſer gehoben wurde eine Oeffnung entſtand zum Hinablaſſen von Vorräthen und unter Umſtänden auch von Gefangenen. Im höchſten Nothfalle aber, nämlich dann, wenn der Feind bereits die Burg eingenommen hatte und nun anfing rings um den Thurm Feuer zu legen, flüchteten die Inſaſſen in das Verließ, ſetzten den Schlußſtein wieder ein und waren ſo gegen das Ausräuchern geſchützt.
Der Bergfried von Gleiberg hatte aber noch eine ganz beſondere Einrichtung: der einzige Eingang deſſelben befand ſich auf der Südſeite in einer Höhe von 14,25 m= 57 Fuß über dem Boden des Burghofes und war nur auf einer hohen Leiter erreichbar. Dieſer Eingang, von 1,40 m Höhe und 0,70 cm Breite, war im Rundbogen überwölbt, er⸗ weiterte ſich nach innen auf 1,10 m in der 3,00 m ſtarken Mauer und wurde durch eine doppelte Thür verſchloſſen. In dem Boden der ſchma⸗ len tiefen Thürniſche befand ſich aber eine Fallthür, welche eine ſchräg durch das Gewölbe in das Verließ hinabführende 1,50 m lange und 0,80 cm breite Oeffnung verſchloß. Der Zweck dieſer Anlage war ein doppelter: in ruhigen Zeiten konnte die Eingangsthür des Thurmes und jene Fallthür gleichzeitig geöffnet und dadurch dem Verließe Licht und Luft zugeführt werden. Im Falle der Belagerung aber, wenn es einem Feinde gelungen wäre den ſchmalen Eingang zu erſteigen, konnte doch nur ein Mann nach dem andern eindringen, dieſer wurde dann ſofort von zwei Inſaſſen des Thurmes erfaßt und durch die geöffnete Fallthür in das Verließ hinabgeſchoben, ehe es ihm in der engen Thürniſche mög⸗ lich wurde von ſeinen Waffen Gebrauch zu machen.
Das Gewölbe des Verließes war oberhalb horizontal abgeglichen und bildete den Boden des Hauptwohnraumes im Bergfriede. Dieſer Raum war in 4,70 m Höhe mit einer Balkendecke verſehen und ward nur durch zwei ſchmale Schlitze oder Lichtöffnungen, welche unmittelbar unter der Decke, die eine nach Oſten, die andere nach Weſten angebracht waren, ſpärlich erleuchtet und gelüftet. Hinausſchauen konnte man aus dieſen Schlitzen nicht, auch konnte kein Pfeil von außen durch dieſelben eindringen. Von einem Kamin oder Ofen findet ſich keine Spur in dieſem Raume, der gleich einem Keller durch die Dicke ſeiner Mauern gegen die Kälte geſchützt ward, im ſtrengen Winter aber durch Kohlen⸗


