6 Geſchichte von Burg Gleiberg.
von welchem aus Thäler und Flußgebiete möglichſt weit überblickt werden
konnten.
Die Schwierigkeit eine Burg gut zu vertheidigen nahm mit deren Umfange zu, daher bildete in älteſter Zeit nicht ſelten der Thurm(der Bergfrit) mit einem kleinen umgebenden Hof und der dieſen einſchließen⸗ den Umfaſſungsmauer(cingulum, Zingeln) die ganze Burg. Sollte dieſe aber nicht bloß zum vorübergehenden Zufluchtsorte, ſondern zur dauernden Wohnung des Burgherrn dienen, ſo mußte ſie auch das
Herrenhaus(den palas) in ſich aufnehmen. Betrachten wir nun die Reſte der Burg Gleiberg, ſo erkennt man leicht, daß auch ſie bei ihrer erſten Anlage(Taf. I) nur aus dem rieſigen Wartthurme(dem Bergfried), aus der hohen Schutzmauer(dem Mantel) auf deſſen Nord⸗ und Oſtſeite, aus dem Herrenhaus(Palas) an der Weſtſeite und aus einem ſehr engen Burghofe beſtand, dem ſich vielleicht eine nicht mehr vorhandene Vorburg, als Oeconomiehof, anſchloß.
Auf der höchſten Spitze des Berges aus den ſäulenartigen Baſalt⸗ ſtücken, die der Fels ſelbſt lieferte, erbaut, übertrifft der runde gewaltige Bergfried Gleibergs an Feſtigkeit, Umfang und Höhe alle andern Burg⸗ thürme des Lahngau's. Von ſeinem Zinnenkranze aus konnte man die ganze Umgegend viele Stunden weit überſchauen, jeden nahenden Feind ſchon in der Ferne erſpähen und ſich auf ſeinen Angriff vorbereiten. Da ein ſolcher am wahrſcheinlichſten von der Oſtſeite her zu erwarten ſtand, ſo war der Thurm dort mit Abſicht nahe an die Zingeln geſtellt, welche nach Oſten und Norden hin zu einem hohen und dicken Mantel verſtärkt waren, der ſelbſt wieder ſo unmittelbar auf den Rand des Fel⸗ ſens geſetzt war, daß kein Fuß breit Terrain blieb, wo der Feind ſich hätte aufſtellen köͤnnen. Zugleich bildete der Bergfried durch ſeine Maſſe einen Schild für den Palas und den Burghof, den einzuſehen nur von der Höhe des Thurmes ſelbſt möglich war(Taf. II).
Mit einem Durchmeſſer von 12,00 m erhebt ſich die untere Ab⸗ theilung des Bergfrieds bis zu einer Höhe von 14,20 m ohne jede Oeff⸗ nung, Schlitz oder Fenſter. Dann erſcheint ein ſchwacher Mauerabſatz, der mit ſtarken Steinplatten gedeckt iſt, und von dieſen erhebt ſich der Thurm, bei 11,25 m Durchmeſſer, um weitere 15,60 m bis zu dem Plateau, über welchem ſich dann der jetzt verſchwundene Zinnenkranz be⸗ fand, ſo daß die ganze Höhe des Thurmes, ohne ſein ſpitzes Steindach, 31,50 m betrug.— Jetzt hat man am Fuße deſſelben einen Eingang eingebrochen.— Der Durchmeſſer des freien Raumes in der unteren


