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Geschichte von Burg Gleiberg / von Dr. Hugo von Ritgen, Geh. Baurath und Professor ; herausgegeben vom Oberhessischen Verein für Localgeschichte
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Geſchichte von Burg Gleiberg. 5

lahngau's mit dem Sitze in Limburg, Gebhard ward Graf der Wetterau und Rudolph wurde Biſchof von Würzburg.

Es war aber in der für Deutſchland ſo traurigen Zeit von 899 bis 911, wo Ludwig das Kind unter Vormundſchaft des Erzbiſchofs Hatto von Mainz und Otto's des Erlauchten von Sachſen ſtand und es ſchien, als ſolle ſich das Reich in die Herzogthümer Sachſen, Franken, Baiern, Schwaben und Lothringen auflöſen. Die Babenberger Fehde begann; Graf Conrad I fiel 905 bei Fritzlar, hinterließ aber drei Söhne: Con⸗ rad II, Eberhard und Otto. Von dieſen wurde Conrad Graf des frän⸗ kiſchen und ſächſiſchen Heſſen⸗Gau's, erhielt die Würde eines Herzogs der Franken und wurde nach dem Tode Ludwigs des Kindes(911) auf den Vorſchlag Otto's des Erlauchten zum König der Deutſchen erwählt. Als ſolcher heißt er dann Conrad I. Eberhard wurde Graf im Ober⸗ lahngau und Otto, ſein Bruder, erhielt einen Theil des Mittellahngau's, insbeſondere die Gegend um Gleiberg und den Solmsgau, welche damals eine eigene Gaugrafſchaft bildeten. Seinen Grafenſitz mußte Otto ſich erſt bauen und wählte er ſich dazu den Berg an der Gleibach, den Gleiberg. Dort erbaute er die ſtattliche Burg, jetzt eine verfallene und vergeſſene Größe, damals aber eine gewaltige Veſte und für lange Zeit der Sitz mächtiger Grafengeſchlechter.

Im achten und neunten Jahrhundert hatten die Herrenhöfe der großen Adelsgeſchlechter meiſt nur aus hölzernen Gebäuden beſtanden, unter welchen der Saalbau für die Verſammlungen und Gaſtmähler das bedeutendſte war; daran ſchloß ſich das Haus der Frauen, ferner ein Haus für die Gäſte und die Dienſtleute und dann der Oeconomiehof mit Stallungen, Scheunen ꝛc. Alles zuſammen von einer ſtarken Umpfählung eingeſchloſſen. Als aber mit dem Verfalle der kaiſerlichen Macht die Großen des Reichs und die angeſtellten Grafen ſelbſtändige Dynaſten und Beſitzer von Staatsgütern wurden und danach trachten mußten, bei der allgemeinen Unſicherheit die erworbenen Ländereien und den Familien⸗ ſitz durch die Macht der Waffen zu ſchützen, da galt es den Wohnſitz durch hohe Mauern, tiefe Gräben und ſtarke Thürme möglichſt wider⸗ ſtandsfähig zu machen. War die Lage des bisherigen Herrenhauſes nicht zu einer Befeſtigung geeignet oder mußte eine Veſte neu erbaut werden, um das umherliegende Land von ihr aus als Landesherr oder als Lehens⸗ mann zu beherrſchen und zu beſchützen, ſo wählte man für die Anlage der Burg einen möglichſt hoch gelegenen und ſchwer zugänglichen Ort,