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Geschichte von Burg Gleiberg / von Dr. Hugo von Ritgen, Geh. Baurath und Professor ; herausgegeben vom Oberhessischen Verein für Localgeschichte
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4 Geſchichte von Burg Gleiberg.

einzelne Gehöfte überall da angelegt, wo gutes Erdreich, eine Quelle und ein ſchützender Hain dazu einlud.

Wo aber Anſiedlungen waren, da mußten auch Begräbnißſtätten ſein; und in der That finden ſich auch viele Gräber, Hünengräber genannt, an den Grenzen der Wälder des Lahngaues, Gräber, deren Inhalte als Ueberreſte der alten chattiſchen Bevölkerung erkannt worden ſind.

Die Feldzüge der Römer gegen die Chatten führten auch Druſus und Germanicus in den Lahngau; die Reſte eines großen Ringwalles auf dem Dünsberge, des mächtigſten Berges aus Kieſelſchiefer nahe dem Gleiberge, bezeichnen noch heute den Ort, wohin ſich die Chatten zurück⸗ zogen und die Angriffe der Römer abſchlugen, ſo daß dieſe es nicht ver⸗ mochten, ihren limes auch auf dem rechten Lahnufer zu errichten.

Am Ende des 4ten Jahrhunderts ſchloſſen die Chatten mit anderen deutſchen Stämmen den Bund der Franken(Freien), und geht von da an ihr Namen Chatten in dem der Franken auf; die Bewohner der Lahn⸗ gegend zählten dann, während der Völkerwanderung, zu den ſaliſchen Franken und hatten durch den Zug der Hunnen unter Attila viel zu leiden.

Die Verbreitung des Chriſtenthums im Lahngebiet geſchah ſchon im 4ten Jahrhundert theils von Mainz, theils vom Bisthum Trier aus. St. Bonifacius(Winfried) gründete 722 die Kloſterkirche auf der Amöne⸗ burg, ſtiftete das Bisthum Uraburg bei Fritzlar und brachte den Lahn⸗ gau dem Erzbisthum Mainz zu. Beſonderen Einfluß und reiche Schenk⸗ ungen aber gewann ſchon damals das Kloſter Lorſch(Lauresham), auch im Lahngau. In den Lorſcher Urkunden kommt 790 die Lindener marca und das alte Kirchdorf Linden(Großlinden) vor; Selters(Saltrissa), der älteſte Theil der weit ſpäteren Stadt Gießen, und Wiſich, ſchon 774 als im pago Logenehe(Lahngau) gelegene Dörfer. Der Lahngau um⸗ faßte anfänglich wohl das ganze Flußgebiet der Lahn, ward jedoch ſchon früh in verſchiedene Untergaue getheilt, namentlich unterſchied man den Ober⸗ und Unterlahngau und den Mittellahngau, zu letzterem gehörte die Umgegend von Gleiberg, Gießen und Wetzlar.

Zu Anfang des 9ten Jahrhunderts herrſchte ein Herzog Gebhard im Lahngau auf dem Stammſitze Weilburg, gegen Ende des 9ten Jahr⸗ hunderts aber erſcheinen ſeine Enkel, die vier Brüder: Conrad, Eberhard, Gebhard und Rudolph als eben ſo viele Herren im Lahngau, und zwar wurde Conrad I Graf des Heſſen⸗ und Oberlahngau's(der provincia Hassiae) mit dem Sitze in Fritzlar, Eberhard war Graf des Nieder⸗