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Geschichte von Burg Gleiberg / von Dr. Hugo von Ritgen, Geh. Baurath und Professor ; herausgegeben vom Oberhessischen Verein für Localgeschichte
Entstehung
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Die Ebene, in welcher zwiſchen Lahn und Wieſeck die Stadt Gießen erbaut iſt, war in vorgeſchichtlicher Zeit wahrſcheinlich ein Landſee, der nach Süden und Oſten von dem Baſalte des Vogelsberges, nach Norden und Weſten von dem Grauwackegebirge, deſſen ſcharfe Kante die Hard bildet, eingeſchloſſen wurde, bis die Waſſer ſich durch die Grauwacken⸗ ſchichten nach Weſten hin Bahn brachen.

Das Baſaltgebirge aber endigte nicht völlig auf der linken Seite

Lahn, ſondern trieb in mächtiger Eruption auch jenſeits des Fluſſes einzelne Baſaltkegel durch die Schiefer⸗ und Grauwackenlager zu bedeu⸗ tender Höhe empor. Dieſe ſind der Gleiberg, der Vetzberg und der Wettenberg(auch ſieben Hügel genannt). Der gewaltigſte und höchſte von faſt ſenkrecht emporgeſchobenen Baſaltſäulen gebildete Kegel iſt der

Gleiberg, der ſeinen Namen von dem Bache Gleibach erhielt, welcher ſich

an dem Fuße des Berges hinzieht. Weithin überblickt man vom Gipfel des Berges die ganze Umgegend, einen großen Theil des Lahngaues auf zwoölf Stunden Weges. Zahlreich aufgefundene Steinwaffen, von den Landleuten Donnerkeile genannt, laſſen vermuthen, daß die erſten Be⸗ wohner dieſer Gegend die Celten waren, auf welche dann die deutſchen Bewohner, die Chatten(Hatten, Haſſen) folgten, derjenige Volksſtamm, den die Römer als den tapferſten und tüchtigſten unter den Germanen anerkannten.

Der Vogelsberg bildete einen Theil des großen buchoniſchen Waldes, der zu Bonifacius Zeiten noch ganz geſchloſſen und unbewohnt war. Längs der Waldgrenze aber hatten die Chatten ihre Niederlaſſungen, als

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