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Geschichte von Gießen und der Umgegend von der ältesten Zeit bis zum Jahre 1265 : auf Grund der Materialsammlung des Localvereins für die Geschichte von Gießen zsgest. / von Dr. F. Kraft, Hofgerichts-Präsident
Entstehung
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Vertrags**) war, iſt ſehr wahrſcheinlich aus dem alten Lohr⸗ gau(pagus Larensis)(ſ.§. 11 oben), einem Untergau des Oberlahngaus entſtanden und wird dort Comitia Rucheslo von der Malſtätte genannt, wo ſich das gemeinſchaftliche Haupt⸗ gericht vor Zeiten verſammelt hatte. In welchem Wald(Loh) dieſe Malſtätte war, iſt nicht wohl mehr zu ermitteln.*) Da ſie ſchon zu jener Zeit vielleicht gar nicht mehr zu Gerichts⸗ ſitzungen diente, ſo erklärt es ſich, daß der Name ſonſt nicht mehr vorkommt. Auf das Ritterloh bei Herbach ſie mit Vogel**) zu verlegen, iſt zu gewagt, wenn auch die Herborner Mark als zu dem Gerichtsſprengel gehörig angeſehen werden kann. Viel eher möchte das rauhe Loh(Rucheslo) auf den Altbergen bei Rachelshauſen zwiſchen den beiden Haupttheilen des Sprengels, wo ſich ein uralter Ringwall, der Hunenſtein, befindet, zu ſuchen ſein.*) Das an Mainz verkaufte Juris⸗ dictionsrecht war in Bezug auf die Centen Gladenbach, Lohr (Lore), Reitzberg(Roidesberg Cent Weimar), Kirchberg, Treis

4⁰) Gudenus J. c. T. 1, p. 544.

41¹) Die Malſtätten der Gerichte waren öfter in Waldungen, z. B. die des Niederlahngaus im Reckenforſt, die des Mittellahngans wahr⸗ ſcheinlich auf dem Spitzenberg im Girmes⸗ und Rodheimer Mark⸗ wald.

) a. a. O. S. 164 und Annalen des naſſauiſchen hiſtor. Vereins Bd. 2, S. 100.

48) Archiv für heſſ. Geſch., Bd. 4, Heft II. Nr. II. S. 16. Nicht weit von dieſer Stelle, auf der Höhe bei Obereiſenhauſen, wurde bis in neuere Zeiten das Eigengericht über den Perfgau alle 7 Jahre ge⸗ hegt, zu welchem aber nur die heſſiſchen Eigenleute aus dieſem zu erſcheinen hatten; ein Zuſammenhang beider, hier auf die außer Landes Geſeſſenen beſchränkt, wäre immerhin möglich. Wie Kopp, heſſ. Gerichts⸗ verfaſſung, S. 180, 181, zu dem Namen Grafſchaft Reuſchel kommt, wußte ſchon Wenck(Th. 2, S. 455 Note e) nicht zu erklären; dieſer denkt dabei an Rachelshauſen, welches aber richtiger als Rachhilds⸗ hauſen ſeinen Namen vom erſten Erbauer herleitet. Nicht ohne In⸗ tereſſe iſt vielleicht, daß ſich zwiſchen Stedebach und Holzhauſen(bei Frohnhauſen) ein niedriger Hügel mit einem Ringwall befindet, der

ſeinem geringen Umfang und dem Mangel aller Mauerſpuren nach

eher eine Malſtätte als eine Burgpfanne geweſen zu ſein ſcheint.