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Geschichte von Gießen und der Umgegend von der ältesten Zeit bis zum Jahre 1265 : auf Grund der Materialsammlung des Localvereins für die Geschichte von Gießen zsgest. / von Dr. F. Kraft, Hofgerichts-Präsident
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das Frankenland ein, ſelbſt bis zu Karls des Großen Zeiten;) die Grenze ihrer Wohnſitze iſt aber ſelbſt bis zum heutigen Tag durch die Sprachgrenze über der CEder feſtgeſtellt.) Im Mittelalter noch hatte Heſſen fränkiſches Recht.*) Erſt nach der beſtimmteren Ausbildung der Gaueintheilung, die an ſich uralt, aber von dem Umfang des Volksſtammes verſchie⸗ den war,) theilt ſich das Heſſenland in einen Heſſengau und einen Lahngan(Logenahe, Logenehe, Logenahwe).*) Die Grenze zwiſchen beiden bildete im Ganzen die Waſſerſcheide zwiſchen dem Lahn⸗ und Fuldagebiet, doch ſo, daß das obere Schwalmthal noch zum Lahngau zählte. ¹⁰)

Während der Völkerwanderung theilte daher die Gegend von Gießen die Geſchicke des Frankenlandes und zwar insbeſondere die der ſaliſchen Franken, da ſie weder zu den ripuariſchen am unteren Rheinufer, noch zu den Oſtfranken(im fränkiſchen

) Eine der bedeutendſten glücklichen Schlachten deſſelben gegen die Sachſen war bei Leiſa an der Eder.

6) Zwiſchen Frankenberg und Sachſenberg, Frankenau und Sachſen⸗ hauſen; in der Herrſchaft Itter ſpricht man in den auf der Höhe gelegenen Dörfern platt; an der Eder nicht..

7) Von der alten lex Salica Francorum iſt eine Anwendung wohl nicht nachzuweiſen, wohl aber blieb hier Frankenrecht. Grünberg ließ es ſich 1272 noch beſtätigen.(Glaſer, Geſchichte von Grünberg S. 172.) Die Rechtsgewohnheiten von Gießen waren aber denen von Grünberg gleich.

8) Caesar de bello Gall. lib. 6. cap. 23. Principes regionum atque pagorum inter suos jus dicunt. Tacitus German. cap. 12. Principes, qui jura per pagos vicosque reddunt. Ein unter einem Herzog vereinter Volksſtamm hatte alſo mehrere. Gaue inne.

*) Daß die Bezeichnung des Fluſſes und Gaues urſprünglich zuſammen⸗ fallen, iſt natürlich, da aha, der Fluß und awe die Aue) zu ähnlich ſind, und findet im Gau Wetterau ſein Analogon. Seit 783 findet man ſchon den Gaunamen Logengowe und ſeit 874 Lohnagowe, vom Flußnamen getrennt.(Friedemann, im Archiv für heſſ. Geſchichte Bd. 6. S. 419 437.)

¹⁰) Die gemeinſchaftlichen Landtage des Heſſen⸗ und Lahngaus wurden

beim Spieß am Kloſter Kappel auf der Grenze beider gehalten.