— 23— §. 4. 4
Völkerwanderung. Chriſtenthum. Gaue.
Wie unſere Gegend von den Urzeiten Deutſchlands her Chatten⸗ oder Heſſenland war, ſo blieb ſie es auch in der Folge. Denn wenn auch der Name der Chatten vom Ende des 4. Jahrhunderts an in dem von ihnen mit den Cherus⸗ kern, Chamaven, Amſivariern(bei Hamm und an der Ems) und Bructerern geſchloſſenen Bund der Franken(Freien) zunächſt aufgeht,*) ſo blieb doch auch nach der Auswanderung eines großen Theils der Franken über den Rhein und der Gründung des Frankenreichs in Gallien das Heſſenland von der alten Grenze der Allemannen bis zur Sachſen⸗Grenze dem Namen und der Sitte nach*) ungetrenntes fränkiſches Gebiet. Die Allemannen erſtreckten ſich zwar temporär in die Wetterau, aber wenn der zu ihnen gehörige Stamm der Buccinobanten wirklich die Gegend von Butzbach beſaß, nicht über den Pfahlgraben und jedenfalls nicht länger als bis zu ihrer Niederlage unter Macrian durch den Frankenkönig Mello⸗ baudes(um 375), nach der ſie ſich über den Main zurück⸗ zogen.*)
Die Sachſen fielen wohl mehrmals bis zur Lahn ⁴) in
¹) Kremer, rheiniſ ches Franzien S. 3. Die Stelle, die Gregor von Tours aus Sulpitius Alexander über einen Zug Valentinians II. gegen die Franken mittheilt(ſ. Schmidt Geſchichte v. Heſſen Bd. 1. S. 42), zeigt auch, daß die Länderſtrecken, deren Bewohner den Frankenbund geſchloſſen hatten, die Namen der urſprünglichen Sitze der dort angeſiedelten Volksſtämme beibehielten und daß zu Ende des 4. Jahrhunderts der Name der Chatten noch im Innern des fränkiſchen Landes galt.
2) Winkelmann a. a. O. S. 373— 375 erzählt, daß der von Tacitus (Germania cap. 24) als chattiſche Gewohnheit angeführte Schwert⸗ tanz ſich bis zu ſeinen Zeiten erhalten habe und noch im Jahr 1651 bei der Heimführung der Gemahlin Landgraf Ludwigs VI. von jungen Leuten vor Lollar aufgeführt worden ſei.
³) Schmidt, Geſchichte v. Heſſen Thl. 1. S. 38, 39.
4¹) Von König Siegbert wurden ſie dort(angeblich bei Goßfelden) zu⸗
rückgeſchlagen(Rommel a. a. O. S. 50.)


