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Geschichte von Gießen und der Umgegend von der ältesten Zeit bis zum Jahre 1265 : auf Grund der Materialsammlung des Localvereins für die Geschichte von Gießen zsgest. / von Dr. F. Kraft, Hofgerichts-Präsident
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ten Seite unberührt und der Zug ging durch die offenen und bebauten fruchtbaren Thäler der Lahn, der Ohm und der Schwalm nach der Eder, wo Mattium jenſeits dieſes Fluſſes(wahrſchein⸗ lich bei Maden zwiſchen Fritzlar und Gudensberg) zu ſuchen iſt.*) Die Flüſſe, deren Ueberſchwemmung Germanieus fürch⸗ tete, können daher nur die Lahn mit ihren Nebenflüſſen, der Wieſeck, Lumda und Ohm, damals Flüſſe von größerer Bedeu⸗ tung als jetzt, und weiterhin die Schwalm geweſen ſein. Die nächſte bedenkliche Stelle mochte alſo nur die bei Gießen ſein, wo die Ueberſchwemmungen das Thal bis weithin in den dichten Wald häufig in einen ſchwer zu paſſirenden See oder Sumpf verwandelten. Die Römer ließen es ſtets, um die Beſetzung eines Landes zu ſichern, ihr Erſtes ſein, feſte, auf Dämmen mit Steinſchutt conſtruirte Heerſtraßen zu bauen, wie wir deren noch verſchiedene, zum Theil wohl erhaltne in der Wetterau kennen,¹⁰) und es läßt ſich daher erwarten, daß Apronius vor allen Dingen eine ſolche munitio viarum durch die Sümpfe des Wieſeckthals bei Gießen legte und es war dies um ſo nothwendiger, wenn in dieſen etwa eine Zufluchts⸗ ſtätte, eine Burg der Chatten war, die bei dem damaligen trockenen Wetter, durch das der Sumpf ausgetrocknet war, zu beſetzen leicht fiel.

Nun erfahren wir, daß ſchon in ganz alter Zeit ein Steinweg durch dieſen Sumpf vom Seltersberg her nach Gießen führte, der theilweiſe tief unter die Erde geſunken

³) Rommel a. a. O. Anm. S. 19.

¹⁰) z. B. von Heddernheim(Novus vicus) nach der Saalburg und nach Friedberg, von da in die Heuneburg bei Butzbach, in die Capersburg bei Wehrheim, in die Altenburg bei Arnsburg, in das Lager bei Echzell u. ſ. w. Die Anlage ſolcher Heerſtraßen und die Herſtellung von Brücken iſt unter der munitio viarum et fluminum zu verſtehen, nicht blos eine Beſatzung der Flußübergänge und ſchlimmen Paſſagen, weil Germanicus gerade die Ueberſchwemmungen und ſchlechten Wege, nicht die vor ihm hergeflohenen Feinde fürchtete.

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