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Geschichte von Gießen und der Umgegend von der ältesten Zeit bis zum Jahre 1265 : auf Grund der Materialsammlung des Localvereins für die Geschichte von Gießen zsgest. / von Dr. F. Kraft, Hofgerichts-Präsident
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Doch vermochten ſie wohl nur in dem ſüdlichen, von den Mattiakern bewohnten Gebiet, der Wetterau, ſich feſtzuſetzen und daſſelbe durch einen limes zu ſchützen, welcher ſich in dem noch theilweiſe erhaltenen Pfahlgraben wieder findet.*) Erſt im folgenden Jahre gelang es Druſus, der abermals vom Taunus aus gegen die Chatten zog, dieſelben dauernd zu unterwerfen; die ſchweren Schlachten, deren dies bedurfte, müſſen zum Theil in unſere Gegend geſetzt werden. Nachdem Druſus auch den Hercyniſchen Wald(den Vogelsberg und Speſſart) vom Chattenland aus durchzogen, die Marcomannen(im Franken⸗ land) beſiegt und Donau und Main mit einer weiteren Be⸗ feſtigung(der Teufelsmauer) verbunden hatte, und dann von Aliſo(an der Lippe) aus über die Weſer gegen die Cherusker bis zur ſächſiſchen Saale vorgedrungen, auf dem Rückzug nach dem Pfahlgraben aber vom Pferde geſtürzt war), endete er ſein Leben im Sommerlager⁰) im Chattenland, von wo ſeine Leiche nach Mainz gebracht wurde. Da die alte Römerſtraße von Mainz über Heddernheim und Friedberg in das Grenz Caſtrum, die Heuneburg bei Butzbach, ging, ſo iſt dieſes Er⸗ eigniß abermals in unſere Gegend zu verweiſen; aber Spuren jenes Castra scelerata benannten Lagers ſind in unſerer Gegend mit einiger Sicherheit nicht zu finden.*)

Nachdem Deutſchland unter Hermanns Führung durch die Niederlage des Varus im Teutoburger Wald von römiſcher Unterdrückung befreit worden war, betrat zuerſt Germani⸗ cus(15 Jahre nach Chr.) wieder das Chattenland und es iſt nicht unwahrſcheinlich, daß er bei uns Spuren römiſcher Thatkraft zurückgelaſſen hat.

³) Rommel, heſſ. Geſch. Thl. 1. S. 11. Anm. 24.

4) Deutſchmann a. a. O. S. 578 585.

*) Suetonius, Claudius cap. 1.

*) Die castra scelerata müſſen zwiſchen der ſächſiſchen Saale und Mainz, alſo in Heſſen, geſucht werden; die Entfernung von 200 röm. Meilen, die Tiberius in 24 Stunden vom Rhein aus durch ruhige deutſche Länder geritten ſein ſoll, geben keinen ſicheren Maasſtab.