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Geschichte der großherzoglich hessischen Stadt Staufenberg und ihrer beiden Burgen : Festschrift sr. Königl. Hoheit dem Großherzoge von Hessen und bei Rhein Ludewig IV zum 25. August 1883 gewidmet von Rektor und Senat der Landesuniversität / nach den Quellen bearbeitet von Josef Maria Hugo von Ritgen
Entstehung
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Volbpracht Schabe Rittere und Grede myn Eliche husfrouwe das unsir Juncherre Gotfrid Grefe tzu Cyginhain und Angnese sin eliche husfrouwe uns und unssen Erben han virsatzt ir burg Stoufinberg mit den tzweyn telen beyde alt und nuwe, dy darundir sin gelegin, vur vierdehalb thusent gude cleyne gulden. Ouch ist geredit umb das burglehen, das unsir Juncher und juncfrauwe vorg. hern Volprachte Rietesel Ritter han gelehen, weris daz sy daz vorg. sloz mit den tzweyn Telen bessern wolden odir besserten mit keyner hande gulde, so solden sy uns begnadien von der gulde und solden uns jerlichs als viele lassin gefallen, als hern Vol- prachte vgen. tzu burglehen gefellit, dy wyle uns dy vorg. ir slosse pandis steyn.

Hieraus ergibt sich, dass schon nach 6 Jahren die Pfandsumme für Graf Gottfried VI um 900 Gulden erhöht worden und dass derselbe auch schon vorher dem Ritter Volpracht Riedesel ein Burglehen auf Staufenberg mit den beiden talen(oder telen) verliehen hatte.

Was unter diesen talen dy dar undir sin gelegen zu verstehen sei, ist verschieden ausgelegt worden, es ergibt sich aber durch Ver- gleich mit einer Urkunde vom 13. Juli 1494, welche einen näheren Einblick in die damaligen Verhältnisse zwischen dem Burgherren und den Bewohnern der Burg und Stadt Gleiberg gewährt:Graf Ludwig I von Nassau und Saarbrücken, welcher mit Margaretha, Tochter Adolfs von Nassau-Wiesbaden vermählt war, gibt in jenem Briefe mit wohl- bedachter Würde und Gnade, Willen und Liebe den Bürgen zu Gleiberg und der Delern(Thalbewohnern) eine Freiheit, dass sie, so lange er lebe, keine Bede noch sonstige Abgaben geben sollen; dagegen sollen sie ihren Burgfrieden halten, die Pforte zum Daille(d. i. zum Thal, Burgflecken Gleiberg) behüten, bewahren und bewachen, wie es nöthig ist, ferner die Pforten, Mauern, Stege und Graben, und was dazu gehört, in wehrlichem Bau warten und erhalten, wie bisher.(Diese Urkunde findet sich im Besitze des Freiherrn van der Hoop auf der Schmitte bei Giessen.)

Es sind also unter dentzweyn talen beyde alt und nuwe, dy dar undir(d. h. unter der Burg Stoufinberg) sin gelegen die zur Burg gehörigen tiefer gelegenen Wohnungen, Gärten etc. der Bürger von Staufenberg zu verstehen, insoweit als sie nicht schon Lehen waren, denn bei Verpfändung von Burgen und Städten namentlich war es üb-

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