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Geschichte der großherzoglich hessischen Stadt Staufenberg und ihrer beiden Burgen : Festschrift sr. Königl. Hoheit dem Großherzoge von Hessen und bei Rhein Ludewig IV zum 25. August 1883 gewidmet von Rektor und Senat der Landesuniversität / nach den Quellen bearbeitet von Josef Maria Hugo von Ritgen
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auch alle üübrieen Reichslehen bestimmt. Drei Tochtersöhne Hermanns I machten Ansprüche auf dessen Erbschaft. Heinrich als Sohn Juttas und Dietrichs Markgrafen von Meissen, Siegfrit Graf von Anhalt, der Sohn Irmengards und des Herzogs Heinrich von Oestreich und Agnetens Tochter Gertrude von Oestreich, und endlich Sophia die Tochter Lude- wies des Heilicen und der heiligen Elisabeth, Gemahlin des Herzogs Heinrich von Brabant für ihren 3jährigen Sohn: Heinrich das Kind. Heinrich der Erlauchte hatte sich rasch in Besitz der meisten Schlösser in Thüringen gesetzt, aber auch der Herzog Otto von Braunschweig und Erzbischof Siegfried von Mainz suchten sich Stücke von Thüringen und Hessen anzueignen. Letzterer, weil er die mainzischen Lehen in Thüringen für erledigt betrachtete, war ebensosehr gegen die Ansprüche der Her- zogin Sophia als gegen die des Markgrafen.

Sophia hatte bereits im Mai 1247 einen Theil von Hessen in Be- sitz genommen, wie eine zu Hersfeld ausgestellte Urkunde ihres Gemahls (Kuchenbecker Analecta Hass. 4, 266) zeigt, Staufenberg war durch den oben erwähnten Vertrag vom 25. März 1253 in Besitz Bertholds von Ziegenhain gekommen und dieser hatte sich sogleich für die Herzogin erklärt, als sie in Hessen erschien. Er war oft in ihrer Umgebung und sie belehnte ihn 1249 mit Gütern zu Traisa und Wohra.(Estor. Ordg, jur. publ. Hass. p. 265.)

Im 13. Jahrhundert handelte es sich bei der Kriegsführung meist um den Besitz von befestigten Städten und von Burgen, von welchen aus das Land umher beherrscht und Abgaben erpresst werden konnten.*) Kein Plan eines bis zum Ziele fortzusetzenden Kampfes lässt sich er- kennen, dagegen Eroberung und Zerstörung alter Burgen überall und Erbauung neuer. Kurze rasch unternommene Züge von wenigen Tagen in das Feindesland, dort möglichst viel Verheerung, Mord, Brand, Raub, damit der Feind durch Furcht überwunden würde. Was uns als Roheit und Grausamkeit in der Kriegsführung erscheint, war damals Verdienst und Ruhm.

Die Ritter, milites,) bildeteten einem stehenden Heere gleichend, die wesentliche Kriessmacht der Fürsten, gegen Ertheilung von Lehen, namentlich von Burglehen; und das Wort Ritter bezieht sich daher auf

*) Vergl. Tittmanu: Heinrich der Erlauchte. II. 175. ) Nicht die Ritterorden.

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