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Beiträge zur Geschichte der alten Gießener Burschenschaft : burschenschaftliche Lebensbilder aus dem Jahre der großen Relegation (1828) / von Christian Scriba, Pfarrer i. P. in Gießen ; mit einer Einlitung von Geh. Hofrat Dr. Herman Haupt
Entstehung
Seite
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Erſter Anhang.

Der vorliegenden Arbeit lagen zwei ſtudentiſche Stammbücher zu Grunde, vor allem dasjenige meines Vaters, des damaligen ſtud. theol. Auguſt Scriba(Ordn.⸗Nr. 24), aus dem 67 Stammbuchblätter benutzt werden konnten, und dasjenige des ſtud. jur. Ludwig de Beauclair (Ordn.⸗Nr. 3), das zu 17 alten Burſchenſchaftern die Stammbuchs⸗ blätter lieferte.

Die genannten ſtudentiſchen Stammbücher, die beide zum über⸗ wiegenden Teil in den erſten Tagen nach der Relegation entſtanden ſind, bilden eine wertvolle und reichhaltige Fundgrube für Erforſchung des Geiſtes, der damals die deutſchen Burſchenſchafter beſeelte. Der Abſchiedsſchmerz beim Scheiden von den treuen Bundesbrüdern und Freunden, den fratres fideles Germaniae, das Gelöbnis der Treue auch bei räumlicher und zeitlicher Trennung, die Liebe zur Burſchen⸗ ſchaft, die Begeiſterung für die burſchenſchaftlichen Ideale, auch für das damals noch verpönte Turnen, der Zorn über den Verräter des Freundeskreiſes, aber auch die Hoffnung auf beſſere Zeiten finden neben der Liebe zum Vaterland in den Stammbuchsblättern begeiſter⸗ ten poetiſchen Ausdruck. Aber auch der ſtudentiſche Frohſinn und Humor kommt trotz des Ernſtes jener Tage hier und da zum Durch⸗ bruch. Ich kann mir nicht verſagen, einige der ſchönſten und charak⸗ teriſtiſchſten Stammbuchsverſe hier zu veröffentlichen.

1. Verdammt ſei jener Schuft, der, ſchuldig am Verrat, Den ſchönen Kreis getrennt, ihm werde für die Tat Der Lohn von Henkershand; er ende unbeweint, Ihn treff' der ſchwerſte Fluch, er ſterbe ohne Freund! Und wenn ſein ſchwarzer Geiſt ſich von dem Körper trennt, So ſetze ihm ein Hund ein würdig Monument. (Schramm 62).

2. Wenn aus dem lieben Vaterland Die bravſten Bürger zieh'n, Wenn Kränze, die die Jugend wand, Verwelken und verblüh'n, Wenn man der Geiſter goldne Frucht Als Vaterlands⸗Verrat verflucht, Da läßt ſich nicht mit Tränen Der Seele Schmerz verſöhnen.(Bücking 35).