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Ratgeber für die Studierenden der Wirtschaftswissenschaft an der Universität Gießen / Staatswissenschaftliches-Statistisches Seminar
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Ziel des Studiums.

Hnlage des Studiums.

Ratgeber für die Studierenden der Wirtschaftswissenschaft an der Universität Gießen.

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Der Studienführer erscheint zu einer Zeit, in der die Wortführer der Wirtschaftswissenschaft wie der wirtschaft- lichen Praxis eine Neuregelung des Studiums erstreben. Die vermehrten Aufgaben aller in der Staats- und Privatwirtschaft tätigen Beamten und ngestellten fordern eine vertiefte Vor- bildung für die wirtschaftliche Verwaltung. Undererseits er- laubt die Vielheit jener praktischen Berufe kein schematisches Abrichten. Die Selbstverantwortlichkeit des angehenden Volks- wirts entspricht der Würde seiner Wissenschaft. Erkenntnis, die für alle Wechselfälle der Praxis zureicht, erschließt sich einzig einem von Nebenrücksichten unbefangenen Sinn. Nicht eindringlich genug kann darum vor einem Banausentum ge- warnt werden, das nur ans Examen denkt und die Unter- richtsfächer ausschließlich unter dem Gesichtspunkt praktischer Verwertbarkeit wählt. Bei allem Zwang zur Okonomisierung des Studiums wie des Lebensunterhalts soll der Student das Ziel seiner Irbeit in der Ausprägung einer geschlossenen wissenschaftlichen Persönlichkeit erblicken. je spezialisier- ter das Studium, desto schwerer der Ubergang zu einer an- deren Tätigkeit, falls der gewählte Beruf nicht allen Erwar- tungen entspricht; je breiter die Grundlage des Studiums, desto größer die Bewegungsfreiheit im späteren Berufsleben. Ein Volkswirt hat ganz andere Aufgaben zu erfüllen, je nach- dem er als staatlicher oder kommunaler Beamter oder als Beamter in einem der großen Selbstverwaltungskörper, in einer Handelskammer, Landwirtschaftskammer oder Berufs- genossenschaft, in Kartellen, Arbeitgeberverbänden oder Ge- werkschaften, im Finanzamt oder im Arbeitsnachweis oder an irgend einem anderen Posten tätig ist. Nur derjenige Volks- wirt, der eine so gründliche und umfassende Bildung besitzt, wie sie allein ein volles Studium verleiht, wird sich auf die Dauer neben dem reinen Praktiker behaupten.

Also gründliches, nicht zu kurzes Studium! Statt der noch vielfach üblichen 6 lieber 8 Semester. Dann bleibt auch Zeit für Vorlesungen, welche abseits vom Fachstudium liegen.