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Fächern der philoſophiſchen Fakultät beſchäftigt hat. Freilich ſind bei der großen Selbſtändigkeit, die die Nationalökonomie als Lehrfach ſich mit der Zeit erobert hat, zahlreiche Kombi⸗ nationen möglich, und von dieſen ſind in Gießen ſelbſt die fern— liegendſten durch die Promotionsordnung zugelaſſen. In Gießen gibt es 22 Promotionsfächer in der philoſophiſchen Fakultät. Jedes dieſer 22 Fächer kann Haupt- und Nebenfach ſein. Die Nationalökonomie erſcheint in dem Verzeichnis als„Staats— wiſſenſchaft“, umfaßt alſo als ein einheitliches Fach theoretiſche und praktiſche Nationalökonomie ſowie die Finanzwiſſenſchaft. Die Statiſtik iſt nirgends erwähnt, was aber keineswegs aus⸗ ſchließt, daß rein ſtatiſtiſche Arbeiten, wie das öfters geſchehen iſt, als nationalökomiſche Doktordiſſertationen zugelaſſen werden. Unter den Nebenfächern prävalieren erfahrungsgemäß Geſchichte, Philoſophie, Geographie, Land- und Forſtwirtſchaftslehre, Phyſik, Chemie und Mathematik. Früher ziemlich häufig, jetzt verhältnismäßig ſelten, kommt die Nationalökonomie als Nebenfach der Geſchichte, Mineralogie und Geologie(Berg— referendare und Bergaſſeſſoren), Chemie(zukünftige Gewerbe⸗ inſpektoren und Fabrikdirektoren), Mathematik(Verſicherungs⸗ mathematiker und Statiſtiker) und beſonders der Forſtwiſſen⸗ ſchaft und Landbauwiſſenſchaft vor. Die rein⸗philologiſchen Fächer, mit denen die Nationalökonomie in der Tat ſo gut wie nichts zu tun hat, ſind zwar nicht ſtatutariſch, aber tat⸗ ſächlich in dieſem Zuſammenhang nicht in Gebrauch. Es ſteht feſt, daß— in Gießen wenigſtens— Philologen die National⸗ ökonomie faſt niemals hören. Leider fehlt ein beſonderer Lehr⸗ ſtuhl für Wirtſchaftsgeſchichte, dasjenige Fach, das mit der Nationalökonomie neben den öffentlich-⸗rechtlichen Disziplinen am nächſten verwandt iſt und deswegen berufen wäre, die Nationalökonomie ebenſoſehr zu ergänzen, wie die National⸗ ökonomie die Wirtſchaftsgeſchichte ergänzt. Solange ſich die Geſchichte nicht zur Kulturgeſchichte ausgewachſen hat, ſind be— ſondere Lehrſtühle für Wirtſchaftsgeſchichte, namentlich für mittelalterliche, im hohen Grade erwünſcht. Soweit die Wirt⸗


