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nur die wenigſten Univerſitäten cine wirklich fachmänniſche ſtatiſtiſche Ausbildung bieten. Es gehören dazu beſondere Lehrkräfte und Lehrmittel, die an den kleineren Univerſitäten regelmäßig nicht vorhanden ſind.
Bei allen anderen Berufsſtellungen, namentlich in der ſozialen Verſicherung, bei den Intereſſenverbänden, aber auch bei den gemeinnützigen Anſtalten ſozialpolitiſcher Natur be⸗ vorzugt man ehemalige Juriſten, an denen bekanntlich kein Mangel iſt, oder tüchtige Subalternbeamte, die den Mangel an akademiſcher Bildung durch langjährige Erfahrungen in der Praxis erſetzen. In einigen Staaten kommen neben den Juriſten die Kameraliſten, die die Staatsprüfung beſtanden haben, in Betracht.
Alles in allem kann man alſo ſagen, daß die national— ökonomiſche Karriere, die ſich direkt an das Univerſitätsſtudium anſchließt, zur Zeit keine ausſichtsreiche iſt. Vielfach glaubt man in Studentenkreiſen, daß das Bankfach beſſere Ausſichten böte. Ich kann verſichern, daß das durchaus nicht der Fall iſt. Unſere Großbanken, die ja faſt alle Aktiengeſellſchaften ſind, haben allerdings zahlreiche akademiſch gebildete Direktoren. Man nimmt aber für dieſe hochbeſoldeten und einflußreichen Poſten nicht etwa frühere Referendare oder jüngere Doktoren der Nationalökonomie, ſondern nur hervorragend tüchtige Juriſten, die längere Zeit Richter, Verwaltungsbeamte oder Anwälte geweſen ſind. Es iſt ein verhängnisvoller Irrtum, ſo verbreitet er ſein mag, anzunehmen, daß die Großbanken Leute brauchen könnten, die auf der Univerſität etwas in die Nationalökonomie hineingerochen haben. Nach einem ſolchen Nachwuchs iſt gar kein Bedarf, und ſelbſt bei ausgezeichneten Empfehlungen und guten Konnexionen gelingt das Ankommen auch nur als Bankvolontär, wie ich aus langjähriger Erfahr⸗ ung weiß, in den allerſeltenſten Fällen. Die Banken haben gar kein Intereſſe daran, junge Leute, die keine juriſtiſche und Ver⸗ waltungspraxis nachweiſen können und nichts vom geſchäftlichen Leben verſtehen, auszubilden. Gerade die größten Banken bei uns


