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Die Nationalökonomie als Unterricht- und Prüfungsgegenstand : Hinweise und Ratschläge / von Dr. jur. et phil. M. Biermer, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften und Direktor des Staatswissenschaftlich-Statistischen Seminars
Entstehung
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der großen Blätter aber, wo ſolche ſehr ſchwierig zu er langende Spezialkenntniſſe unentbehrlich ſind, werden meiſtens von ſolchen Spezialiſten bearbeitet, die den Einblick in das Getriebe des Geld-, Bank- und Börſenweſens als Bank angeſtellte erworben haben, und der theoretiſche Univerſitäts⸗ unterricht kann in der Tat eine ſolche Spezialausbildung gar nicht bieten. In der Journaliſtenkarriere kommt es im übrigen weniger auf eine tiefgründige gelehrte Aus bildung als auf eine raſche Auffaſſungs- und Anpaſſungs⸗ gabe, auf beweglichen Geiſt und gewandte Feder an. Die meiſten Tageszeitungen ſtehen im Dienſte einer politiſchen Partei oder ſozial⸗ oder wirtſchaftspolitiſchen Richtung, und damit iſt es ganz von ſelbſt gegeben, daß das Programm, das ſie in ihren Spalten zu vertreten haben, ihnen von Fraktionen oder Inter⸗ eſſenverbänden vorgezeichnet wird. Es gibt freilich auch ſo⸗ genannteparteiloſe Blätter, und bekanntlich haben gerade dieſe bei der notoriſchen Abneigung weiter Kreiſe gegen politiſche Zänkereien in den letzten Jahren ungeahnten Erfolg beim Publikum gehabt. Natürlich ſind dieſe Blätter nicht ſopartei los, wie ſie behaupten. Sie bewegen ſich in der Regel auf der ſogenanntenmittleren Linie und kultivieren im Üübrigen beſonders neutrale Gebiete. Dabei kommen die wirtſchafts⸗ politiſchen zu kurz, und der Nationalökonom, der ausgeſprochene Üüberzeugungen und Anſichten mitbringt, findet dort kein leichtes und behagliches Unterkommen. Alles in allem kann man ſagen, daß die Ausſichten für den Volkswirtſchaftler in der Journaliſtenkarriere auch keine ſehr glänzenden ſind. Sie ſind jedenfalls mit der Zeit eher ſchlechter, als beſſer geworden.

Was die Anſtellung im ſtaatlichen und großſtädtiſchen ſtatiſtiſchen Dienſt anbetrifft, ſo ſind einerſeits die in Frage kommenden Stellen klein an Zahl, und andrerſeits wird hier eine beſondere mathematiſch⸗nationalökonomiſche Ausbildung oder eine längere Tätigkeit in der inneren Verwaltung verlangt. Die großen ſtatiſtiſchen Amter ſind vielfach mit ehemaligen höheren Verwaltungsbeamten beſetzt, und außerdem können