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Die Nationalökonomie als Unterricht- und Prüfungsgegenstand : Hinweise und Ratschläge / von Dr. jur. et phil. M. Biermer, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften und Direktor des Staatswissenschaftlich-Statistischen Seminars
Entstehung
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niedrig beſoldeten Aſſiſtentenpoſten, die nur bei den größten Wirtſchaftskammern beſtehen, jahrelang warten und haben bei einer ſolchen Bewerbung wie auch bei anderen mit Referendaren, Aſſeſſoren, Redakteuren, Kaufleuten, Berufskonſuln und Rechts⸗ anwälten zu konkurrieren.

Was die akademiſche Karriere anbetrifft, ſo bedarf es keiner Ausführung, daß kein junger Student, mag er ſich noch ſo ſehr für die Nationalökonomie intereſſieren, von vornherein auf den Dozentenberuf losſteuern darf. Er wird ſich ſonſt ſchweren Enttäuſchungen ausſetzen. Hier liegen ganz beſondere Schwierigkeiten vor, und es beſteht auch bereits eine erhebliche überfüllung. Den 36 ordentlichen Profeſſoren der National⸗ ökonomie an den 21 deutſchen Univerſitäten ſtehen nicht weniger als 19 Privatdozenten gegenüber. Dazu kommen noch 11 Titularprofeſſoren und Extraordinarien, die nicht etatsmäßig an geſtellt, alſo unbeſoldet, ſind. 30 Dozenten warten alſo auf eine feſte Anſtellung. Der Bedarf für einen Nachſchub in die etats mäßigen Stellen iſt alſo ſchon gegenwärtig mehr als reichlich gedeckt, zumal wenn man bedenkt, daß neuerdings nicht ſelten Männer aus der Verwaltungspraxis unmittelbar in ſtaats⸗ wiſſenſchaftliche Profeſſuren berufen worden ſind. Jedenfalls iſt bei der Nationalökonomie das Verhältnis der Privatdozenten zu den Ordinarien auch nicht halb ſo günſtig, wie bei der Jurisprudenz; denn dort kommen auf 156 Ordinarien nur 39 Privatdozenten.

ſteben der akademiſchen und der Handelskammerkarriere kommt eigentlich für einen jungen Nationalökonom nur noch der Redakteurberuf ernſtlich in Frage, aber auch hier beſteht ein lebhafter Wettbewerb von Journaliſten, die keine rein ſtaatswiſſenſchaftliche Ausbildung haben. Nur die führenden Preßorgane und namentlich die großen Handelsblätter haben nationalökonomiſche Spezialredakteure; bei den mittleren und kleinen Preßorganen verlangt man eine große Vielſeitigkeit der Redakteure. Sie haben in der Regel über alle möglichen Dinge, ſo gut es eben geht, zu ſchreiben. Die Handelsteile