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Studienplan herausgegeben. Indeſſen glaubte ich mit meinem ſchon ſeit Semeſtern geplanten Vorhaben im Hinblick auf die neue Ordnung der forſtlichen Fachprüfung und der gleichzeitigen Einrichtung von Fachprüfungen für Landwirte nicht mehr länger zögern zu ſollen. Schon lange nämlich beabſichtigte ich, eine ausführliche Anweiſung, wie man das Studium der Nationalökonomie beſſer als bisher einrichten kann, in Druck zu geben, damit jeder Intereſſent hinreichend unterrichtet ſei, nach welchen Grundſätzen die nationalökonomiſchen Dis⸗ ziplinen an der Landesuniverſität zu Gießen behandelt werden. Einheitliche Grundſätze hierüber gibt es bedauerlicherweiſe an den deutſchen Hochſchulen noch nicht. Die Dozenten der Nationalökonomie gehen in ihren Anſichten, auch was die Lehrmethode und den Lehrplan anbetrifft, ziemlich weit aus⸗ einander, und dies iſt namentlich an denjenigen Univerſitäten und in denjenigen Bundesſtaaten der Fall, wo die National— ökonomie kein wirkliches Prüfungsfach für Juriſten iſt. Dort ſind zwar die Vorleſungen über Nationalökonomie und Finanz⸗ wiſſenſchaft ſog.„Zwangskollegien“, d. h. niemand wird zur erſten juriſtiſchen Prüfung zugelaſſen, wenn er nicht die er— forderlichen Teſtate beibringen kann, aber ein Nachweis, daß der Examenskandidat auch wirklich ſtaatswiſſenſchaftlich vor— gebildet iſt, wird nicht verlangt. Alle Sachverſtändigen ſind darüber einig, daß dieſer Zuſtand ein ungeſunder und unhalt— barer iſt. Es hat deswegen auch nicht an Verſuchen gefehlt, Reformen einzuführen, ſie ſind aber aus verſchiedenen Gründen, die hier unerörtert bleiben können, bislang geſcheitert. Neben den theoretiſchen Vorleſungen werden überall ſeminariſtiſche übungen abgehalten, aber an den meiſten Univerſitäten nur von einem kleinen Bruchteil der Jurisprudenz Studierenden beſucht. Die Seminarmitgliedſchaft beſchränkt ſich auf die kleine Zahl derjenigen Studierenden, die die Staatswiſſen— ſchaften als Hauptſtudium auserſehen haben. Dieſe Gruppe iſt um deswillen klein, weil es nur eine beſcheidene Anzahl von Berufsmöglichkeiten gibt, in welchen der zünftige angehende


