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Prüfungsordnung für das höhere Lehramt im Großherzogtum Hessen : vom 9. Dezember 1899 / Ernst Ludwig
Entstehung
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Perioden wie aus der Gegenwart; Einſicht in die Geſetze des engliſchen Versbaues älterer und neuerer Zeit; Bekanntſchaft mit der Geſchichte Englands, ſoweit ſie für die ſachliche Erläuterung der gebräuchlichſten Schulſchriftſteller erforderlich iſt.

§ 18. Prüfnng in der Geſchichte.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung in der Ge⸗ ſchichte nachweiſen wollen, wird gefordert

a. für die zweite Stufe: Eine auf geordneten geographiſchen und chronologiſchen Kenntniſſen beruhende ſichere Überſicht der welt⸗ geſchichtlichen Begebenheiten, beſonders der griechiſch⸗römiſchen Geſchichte bei Kandidaten der klaſſiſchen Philologie, der engliſchen und franzöſiſchen bei Kandidaten der neueren Philologie, der deutſchen, preußiſchen und heſſiſchen Geſchichte bis auf die neueſte Zeit; genauere Bekanntſchaft mit der Entwickelung der Verfaſſung in Sparta, Athen und Rom, bezw. in England und Frankreich, beſonders aber in Deutſchland; gründliche Kenntnis der Verfaſſung des Deutſchen Reichs und des Großherzogtums Heſſen; Bekanntſchaft mit einigen der bedeutendſten neueren vaterländi ſchen Geſchichtswerke;

b. für die erſte Stufe überdies: Genauere Bekanntſchaft mit dem Entwickelungsgang der allgemeinen Weltgeſchichte und Verſtändnis für den Zuſammenhang und die inneren Beziehungen der Ereigniſſe; Darlegung eingehender, auch die Entwickelung der Verfaſſungs- und Kulturgeſchichte einſchließender Kenntniſſe bezüglich des Altertums in der griechiſch⸗römiſchen, bezüglich des Mittelalters, der neueren und der neueſten Zeit hauptſächlich in der Geſchichte Deutſchlands; Kenntnis und Verſtändnis der wichtigſten wirtſchaftlichen und geſellſchaftlichen Verhältniſſe in Mittelalter und Neuzeit; Bekanntſchaft mit den für die Hauptgebiete wichtigſten Geſchichtsquellen und den Grundſätzen für deren Verwertung; allgemeine Bekanntſchaft mit den Hilfsmitteln der Ge ſchichtswiſſenſchaft; durch eigenes Studium gewonnene Bekanntſchaft mit einigen der bedeutenderen Werke neuerer Geſchichtsdarſtellung;

c. für jede Stufe daneben: Vertrautheit mit der hiſtoriſch⸗ politiſchen Geographie.

§ 19. Prüfung in der Geographie.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung in der Geo⸗ graphie nachweiſen wollen, iſt zu fordern

a. für die zweite Stufe: Sicherheit in den Grundlagen der mathematiſchen und phyſſkaliſchen Geographie; eingehende Kenntnis der politiſchen Geographie, des Ganges der großen Entdeckungen und der Richtungen des Welthandels;

b. für die erſte Stufe: Vollkommene Vertrautheit mit den Lehren der mathematiſchen Geographie und deren Beweiſen, ſoweit ſie ſich aus der Elementarmathematik ableiten laſſen; genaue Kenntnis der phyſikaliſchen und geologiſchen Verhältniſſe der Erdoberfläche und