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Prüfungsordnung für das höhere Lehramt im Großherzogtum Hessen : vom 9. Dezember 1899 / Ernst Ludwig
Entstehung
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und, wenigſtens ſoweit es ſich um das Lateiniſche handelt, auch ohne erhebliche ſtiliſtiſſche Mängel zu übertragen; die auf planmäßiger und gründlicher Lektüre beruhende Fähigkeit, Cäſar, Salluſt, Livius, Cicero, Virgil, Ovid; Homer, Herodot, Xenophon, Lyſias, Demoſthenes mit grammatiſcher und lexikaliſcher Genauigkeit zu verſtehen und, von Stellen beſonderer Schwierigkeit abgeſehen, geläufig zu überſetzen. Mit der römiſchen und griechiſchen Geſchichte, der Literaturgeſchichte, den Altertümern, der Mythologie und der Metrik müſſen die Kandidaten ſoweit bekannt ſein, daß ſie zur Erklärung der genannten Schriftſteller auch nach dieſen Seiten hin das Weſentliche beizubringen und für die Vorbereitung auf den Unterricht gute Hilfsmittel mit Verſtändnis zu benutzen im Stande ſind;

b. für die erſte Stufe überdies: Zuſammenhängende und wiſſen⸗ ſchaftlich begründete Kenntniſſe in der lateiniſchen und griechiſchen Gram⸗ matik; Fertigkeit im freien ſchriftlichen Gebrauch der lateiniſchen, gram⸗ matiſche Sicherheit in ſchriftlicher Anwendung der griechiſchen Sprache, auch Übung im Lateinſprechen; Beleſenheit in den römiſchen und griechiſchen Klaſſikern, beſonders den zum Berreich der Gymnaſiallektüre gehörigen, aber auch anderen, z. B. Plautus, Terenz, Äſchylus, Euripides, Ariſtophanes, bei wiſſenſchaftlicher Schulung in der Methode der Erklärung; Vertrautheit mit der Metrik, ſoweit ſie die auf den Gymnaſien zu leſenden Dichter angeht, nebſt üÜbung im angemeſſenen Vortrag der Verſe; Kenntnis der griechiſchen und römiſchen Literatur, namentlich ihrer Blütezeiten; eine zu wiſſenſchaftlicher Fortbildung befähigende Bekanntſchaft mit den Hauptperioden der griechiſchen und römiſchen Geſchichte, den Staatseinrichtungen, dem privaten Leben, der Religion und Sage, ſowie der Philoſophie der Griechen und Römer; Vertrautheit mit der Archäologie ſoweit, daß der Kandidat gute Hilfs⸗ mittel mit Verſtändnis verwerten und den Unterricht durch Gewährung entſprechender Anſchauungen unterſtützen kann. Auch haben die Kan⸗ didaten darzutun, daß ſie einen Überblick über den Entwickelungsgang der Philologie gewonnen haben.

§ 15. Prüfung im Hebräiſchen.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung im Hebräiſchen nachweiſen wollen, iſt zu fordern: Wohlbegründete Kenntnis der Formen⸗ lehre und Syntax dieſer Sprache; Fertigkeit im Üüberſetzen und Er⸗ klävren der hiſtoriſchen Schriften des Alten Teſtaments und der Pſalmen.

§ 16. Prüfung im Franzöſiſchen. Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung im Franzöſiſchen nachweiſen wollen, iſt zu fordern a. für die zweite Stufe: Kenntnis der Elemente der Phonetik, richtige und zu feſter Gewöhnung gebrachte Ausſprache; Vertrautheit mit der Formenlehre und Sontax auf wiſſenſchaftlicher Grundlage; Beſitz eines ausreichenden Schatzes an Worten und Wendungen und