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Prüfungsordnung für das höhere Lehramt im Großherzogtum Hessen : vom 9. Dezember 1899 / Ernst Ludwig
Entstehung
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ſchaftlichen Studiums der bibliſchen Einleitung und Theologie; die Befähigung, die chriſtliche Glaubens- und Sittenlehre im Zuſammenhang zu entwickeln und wiſſenſchaftlich zu begründen; genauere Kenntniß

der Kirchen- und Dogmengeſchichte.

§ 13. Prüfung im Deutſchen.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung im Deutſchen nachweiſen wollen, iſt zu fordern

a. für die zweite Stufe: Sichere Kenntniß der neuhochdeutſchen Elementargrammatik und Bekanntſchaft mit der Geſchichte des Neuhoch⸗ deutſchen; eingehendere Beſchäftigung mit klaſſiſchen Werken der neueren Litteratur und Überſicht über den Entwickelungsgang der neuhoch⸗ deutſchen Litteratur. Außerdem iſt Bekanntſchaft mit den Grundzügen der Rhetorik, Poetik und Metrik darzuthun;

b. für die erſte Stufe überdies: Eine Beherrſchung des Mittel⸗ hochdeutſchen, welche befähigt, Werke der mittelhochdeutſchen Litteratur ohne Schwierigkeit zu leſen und mit grammatiſcher und lexikaliſcher Genauigkeit zu erklären; eine, wenigſtens für die mittelhochdeutſche und neuere Zeit, auf ausgedehnterer Lektüre beruhende Kenntniß des Ent wickelungsganges der geſammten deutſchen Litteratur; Vertrautheit mit der Poetik und der deutſchen Metrik; Kenntniß der geſchichtlichen Ent⸗ wickelung der deutſchen Sprache und Kenntniß der Elemente des Gothiſchen und Althochdeutſchen.

§ 14. Prüfung im Lateiniſchen und im Griechiſchen.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung im Lateiniſchen und Griechiſchen nachweiſen wollen, iſt zu fordern

a. für die zweite Stufe: Sichere Kenntniß der lateiniſchen und griechiſchen Grammatik und Übung im ſchriftlichen Gebrauche dieſer Sprachen bis zur Fertigkeit, angemeſſene Vorlagen grammatiſch richtig und, wenigſtens ſoweit es ſich um das Lateiniſche handelt, auch ohne erhebliche ſtiliſtiſche Mängel zu übertragen; die auf planmäßiger und gründlicher Lektüre beruhende Fähigkeit, Cäſar, Salluſt, Livius, Cicero, Virgil, Ovid; Homer, Herodot, Xenophon, Lyſias, Demoſthenes mit grammatiſcher und lexikaliſcher Genauigkeit zu verſtehen und, von Stellen beſonderer Schwierigkeit abgeſehen, geläufig zu überſetzen. Mit der römiſchen und griechiſchen Geſchichte, der Litteraturgeſchichte, den Alterthümern, der Mythologie und der Metrik müſſen die Kandidaten ſoweit bekannt ſein, daß ſie zur Erklärung der genannten Schriftſteller auch nach dieſen Seiten hin das Weſentliche beizubringen und für die Vorbereitung auf den Unterricht gute Hülfsmittel mit Verſtändniß zu benutzen im Stande ſind;

b. für die erſte Stufe überdies: Zuſammenhängende und wiſſen⸗ ſchaftlich begründete Kenntniſſe in der lateiniſchen und griechiſchen Gram⸗ matik; Fertigkeit im freien ſchriftlichen Gebrauche der lateiniſchen, gram matiſche Sicherheit in ſchriftlicher Anwendung der griechiſchen Sprache,