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Prüfungsordnung für das höhere Lehramt im Großherzogtum Hessen : vom 9. Dezember 1899 / Ernst Ludwig
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auch Übung im Lateinſprechen; Beleſenheit in den römiſchen und griechiſchen Klaſſikern, beſonders den zum Bereiche der Gymnaſiallektüre gehörigen, aber auch anderen, z. B. Plautus, Terenz, Aſchylus, Euripides, Ariſtophanes, bei wiſſenſchaftlicher Schulung in der Methode der Erklärung; Vertrautheit mit der Metrik, ſoweit ſie die auf den Gymnaſien zu leſenden Dichter angeht, nebſt üÜbung im angemeſſenen Vortrag der Verſe; Kenntniß der griechiſchen und römiſchen Litteratur, namentlich ihrer Blüthezeiten; eine zu wiſſenſchaftlicher Fortbildung beſähigende Bekanntſchaft mit den Hauptperioden der griechiſchen und römiſchen Geſchichte, den Staatseinrichtungen, dem privaten Leben, der Religion und Sage, ſowie der Philoſophie der Griechen und Römer; Vertrautheit mit der Archäologie ſoweit, daß der Kandidat gute Hülfs⸗ mittel mit Verſtändniß verwerthen und den Unterricht durch Gewährung entſprechender Anſchauungen unterſtützen kann. Auch haben die Kan⸗ didaten darz zuthun, daß ſie einen Überblick über den Entwickelungsgang der Philologie gewonnen haben.

§ 15. Prüfung im Hebräiſchen.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung im Hebräiſ chen nachweiſen wollen, iſt zu fordern: Wohl lbegründete Kenntniß der Formen⸗ lehre und Syntax dieſer Sprache; Fertigkeit im überſetzen und Er⸗ klären der hiſtoriſchen Schriften des Alten Teſtaments und der Pſalmen.

§ 16. Prüfung im Franzöfiſchen.

Von den Kandidaten, welche die Lehrbefähigung im Franzöſiſchen nachweiſen wollen, iſt zu fordern

a. für die zweite Stufe: Kenntniß der Elemente der Phonetik, richtige und zu feſter Gewöhnung gebrachte Ausſprache; Vertrautheit mit der Formenlehre und Syntax auf wiſſenſchaftlicher Grundlage; Beſitz eines ausreichenden Schatzes an Worten und Wendungen und einige übung im mündlichen Gebrauche der Sprache; Einſicht in den neufranzöſiſchen Versbau dun überſicht über den Entwickelungsgang der franzöſiſchen Litteratur ſeit dem ſiebzehnten Jahrhundert, aus welcher einige Werke der hervorragendſten Dichter und Proſaiker, auch der neueſten Zeit, mit Verſtändniß geleſen ſein müſſen; Fähigkeit zu ſicherer Über⸗ ſetzung der gewöhnlichen Schriftſteller ins Deutſche und zu einer von gröberen ſprachlich⸗ſtiliſtiſchen Verſtößen freien ſchriftlichen Darſtellung in der fremden Sprache;

b. für die erſte Stufe: Für den ſchriftlichen und mündlichen Gebrauch der Sprache nicht bloß volle grammatiſche Sicherheit bei wiſſenſchaftlicher Begründung der grammatiſchen Kenntniſſe, ſondern auch umfaſſendere Vertrautheit mit dem Sprachſchatz und der Eigen⸗ thümlichkeit des Ausdrucks, ſowie eine für alle Unterrichtszwecke aus⸗ reichende Gewandtheit in deſſen Handhabung; überſichtliche Kenntniß der geſchichtlichen Entwickelung der Sprache ſeit ihrem Hervorgehen aus dem Lateiniſchen, für welches die zum Verſtändniß der franzöſiſchen