Druckschrift 
Die deutsche Bundesacte vom 8. Juni 1815 : Schlußacte der über Ausbildung und Befestigung des teutschen Bundes zu Wien gehaltenen Ministerial-Conferenzen, welche am 8. Juni 1820, dem fünften Jahrestage der Unterzeichnung der teutschen Bundesacte, zu Frankfurt am Main als allgemeines Bundesgesetz angenommen und bekannt gemacht wurde
Entstehung
[Gießen?] [20. Jahrhundert]
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Art. 3. Alle Bundesglieder haben, als ſolche, gleiche Rechte. Sie ver⸗ pflichten ſich alle gleichmäßig, die Bundesacte unverbrüchlich zu halten.

Art. 4. Die Angelegenheiten des Bundes werden durch eine Bundesver⸗ ſammlung beſorgt, in welcher alle Glieder deſſelben durch ihre Bevollmächtigten theils einzelne, theils Geſammtſtimmen folgendermaßen, jedoch unbeſchadet ihres Ranges, führen:

1) Oeſtreich 1 Stimme. 2) Preußen 1 Stimme. 3) Baiern 1 Stimme. 4) Sachſen 1 Stimme. 5) Hannover 1 Stimme. 6) Würtemberg 1 Stimme. 7) Baden 1 Stimme. 8) Churheſſen 1 Stimme. 9) Großherzogthum Heſſen 1 Stimme. 10) Dänemark wegen Holſtein 1 Stimme. 11) Niederlande wegen des Großherzogthums Luxemburg 1 Stimme. 12) Die großherzoglich und herzog⸗ lich ſächſiſchen Häuſer 1 Stimme. 13) Braunſchweig und Naſſau 1 Stimme. 14) Mecklenburg⸗Schwerin und Mecklenburg⸗Strelitz 1 Stimme. 15) Holſtein⸗ Oldenburg, Anhalt und Schwarzburg 1 Stimme. 16) Hohenzollern, Liechtenſtein, Reuß, Schaumburg⸗Lippe, Lippe und Waldeck 1 Stimme. 17) Die freien Städte Lübeck, Frankfurt, Bremen und Hamburg 1 Stimme. Zuſammen 17 Stimmen.

Art. 5. Oeſtreich hat bei der Bundesverſammlung den Vorſitz Jedes Bundesglied iſt befugt, Vorſchläge zu machen und in Vorſchlag zu bringen, und der Vorſitzende iſt verpflichtet, ſolche in einer zu beſtimmenden Zeitfriſt der Berathung zu übergeben.

Art. 6. Wo es auf Abfaſſung und Abänderung von Grundgeſetzen des Bundes, auf Beſchlüſſe, welche die Bundesacte ſelbſt betreffen, auf organiſche Bundeseinrichtungen und auf gemeinnützige Anordnungen fonſtiger Art ankommt, bildet ſich die Verſammlung zu einem Plenum, wobei jedoch, mit Rückſicht auf die Verſchiedenheit der Größe der einzelnen Bundesſtaaten, folgende Berechnung und Vertheilung der Stimmen verabredet iſt:

1) Oeſtreich erhält 4 Stimmen. 2) Preußen 4 Stimmen. 3) Sachſen 4 Stimmen. 4) Baiern 4 Stimmen. 5) Hannover 4 Stimmen. 6) Wür⸗ temberg 4 Stimmen. 7) Baden 3 Stimmen. 9) Großherzogthum Heſſen 3 Stimmen. 10) Holſtein 3 Stimmen. 11) Luxem⸗ burg 3 Stimmen. 12) Braunſchweig 2 Stimmen. 13) Mecklenburg⸗Schwerin 2 Stimmen. 14) Naſſau 2 Stimmen. 15) Sachſen⸗Weimar 1 Stimme. 16) Sachſen⸗Gotha 1 Stimme. 17) Sachſen⸗Coburg 1 Stimme. 18) Sachſen⸗ Meiningen 1 Stimme. 19) Sachſen⸗Hildburghauſen 1 Stimme. 20) Mecklen⸗ burg⸗Strelitz 1 Stimme. 21) Holſtein⸗Oldenburg 1 Stimme. 22) Anhalt⸗Deſſau 1 Stimme. 23) Anhalt⸗Bernburg 1 Stimme. 24) Anhalt⸗Cöthen 1 Stimme. 25) Schwarzburg⸗Sondershauſen 1 Stimme. 26) Schwarzburg⸗Rudolſtadt 1 Stimme. 27) Hohenzollern⸗Hechingen 1 Stimme. 28) Liechtenſtein 1 Stimme. 29) Hohenzollern⸗Sigmaringen 1 Stimme. 30) Waldeck 1 Stimme. 31) Reuß, ältere Linie 1 Stimme. 32) Reuß, jüngere Linie 1 Stimme. 33) Schaum⸗ burg⸗Lippe 1 Stimme. 34) Lippe 1 Stimme. 35) Die freie Stadt Lübeck 1 Stimme. 36) Die freie Stadt Frankfurt 1 Stimme. 37) Die freie Stadt Bremen 1 Stimme. 38) Die freie Stadt Hamburg 1 Stimme. Zuſammen 69 Stimmen).

DOb den mediatſſirten vormaligen Reichsſtänden auch einige Curiatſtimmen in Pleno zugeſtanden werden ſollen, wird die Bundesverſammlung bei der Berathung der organiſchen Bundesgeſetze in Erwägung nehmen.

Art. 7. In wiefern ein Gegenſtand nach obiger Beſtimmung für das

Plenum geeignet ſei, wird in der engeren Verſammlung durch Stimmenmehrheit entſchieden.

*) Später hat Heſſen⸗Homburg die 70ſte Stimme erhalten.

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8) Churheſſen 3 Stimmen.