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Die Wahrheit über die Buchdruckerlöhne! / Industriegewerkschaft Druck und Papier, Bezirk Gießen, der Vorstand, i.A. Otto Schleenbecker
Entstehung
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Die Wahrheit über die Buchdruckerlöhne!

Einer dpa-Meldung desGießener Anzeigers vom 6. 12. 1952 zufolge haben die beiden Organisationen der Zeitungsverleger erklärt, daß der bisher geltende Lohntarif den Arbeit- nehmern des Graphischen Gewerbes ein Lohnniveau gewährleiste, das in den Spitzen bis zu 1050, DM brutto monatlich betrage und dem Großteil dieser Arbeitnehmerschaft höhere Einkünfte als allen anderen Arbeitnehmerkreisen bringe.

Wir stellen dozo fest:

Der Tariflohn der graphischen Facharbeiter beträgt in Gießen(Ortsklasse 2) für die Handsetzer 1,59 DM, für Maschinensetzer 1,39 und in Grünberg, Hungen usw.(Orts- klasse 3) für Handsetzer 1.49. Zu diesen Tariflöhnen arbeitet der weitaus größte Teil aller Arbeitnehmer im Buchdruckgewerbe, also alle Setzer, Drucker usw. in Akzidenz- und Werkdruckereien bei regelmäßiger 488tündiger Arbeitszeit in Tagesschicht und ohne Zu- schläge irgendwelcher Art.

Wie kommen nun die angeblichenSpitzenlöhne von Einzelnen zusfandde?

Spitzenlöhne werden nur in Zeitungsbetrieben erzielt, die aber nur einen kleinen Pro- zentsatz unseres Gewerbes ausmachen. Wer frühmorgens die oft noch druckfeuchte Zei- tung in die Hand nimmt, denkt zumeist nicht daran, daß Nacht für Nacht, sonn- und feiertags, der Buchdrucker im Zeitungsbetrieb an der Arbeit steht. Jeden Abend seiner Familie fern, und sonntagnachmittags, wenn andere Leute spazierengehen, wieder unter- wegs zur Arbeitsstätte, damit montags zur gewohnten Stunde die Zeitung erscheint, ist der Buchdrucker ein gehetzter und geplagter Zeitgenosse. Für den Verzicht auf ein normales Familienleben und für die gesundheitsschädigende Nachtarbeit werden entsprechende Lohn- zuschläge gezahlt. Diese Regelung ist gerecht. Wenn zu diesen Aufschlägen nun noch in einzelnen Fällen Zuschläge für die von den Unternehmern geforderten Uberstunden kom- men, so kann der Lohn eine beachtliche Höhe erreichen. Das sind jedoch sehr seltene Ausnahmen. In der Regel ist es so, daß noch nicht einmal drei zum Tariflohn arbeitende Buchdrucker zusammen den oben angegebenen Lohn erhalten.

Trotz all dieser Sonderzuschläge muß von den Unternehmern des Druckereigewerbes dabei noch erheblich verdient werden, sonst würden sie nicht die Nacht- und Sonn- und Feiertags-

rheit sawie Llharstunden-won ihren Arbeitern verlangen-.

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Wir überlassen es dem gesunden Urfeilsvermögen der Allgemeinheit, festzustellen, wer die Wahrheit vertritt, der um seinen gerechten Lohn kämpfende Arbeitnehmer, oder eine Unternehmerschaft, die zwar für die Leser das Recht auffreie Informationen durch die Presse fordert, selbst aber mit entstellenden Meldungen den Wert solcher Informationen mindert und dadurch unnötigerweise ihre Zeitungen in Verruf bringt.

industriegewerkschaff Druck und Papier, Bezirk Gießen. Der Vorstand, i. A. Otto Schleenbecker.