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Urkunde niedergelegt unter dem Schlußsteine der neuen Fabrik am Erdkauterweg in Gießen bei der feierlichen Einweihung des Gebäudes durch die Firma Georg Philipp Gail, Aktiengesellschaft, Rauch-, Kautabak- und Zigarrenfabrik in Gießen am 28. Januar 1922 dem ersten Tage ihrers 111. Geschäftsjahres
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Auch die Abteilung für Zigarrenfabrikation nahm erheblich vergrößerten Umfang an: am 1. Februar 1914 wurde die bisher Franz Geiger in Oberweier gehörige Fabrik in Lorſch bei Bensheim, am 1. Auguſt desſelben Jahres die Fabrik der Firma Bender& Co. in Lollar bei Gießen käuflich erworben und ſogleich eröffnet. Die Lorſcher Niederlaſſung erwies ſich aber mit der Zeit als unrentabel, und ſie wurde deshalb am 13. Dezember 1919 geſchloſſen; am 1. Sep⸗ tember 1920 wurde die Fabrik an Joſeph Schön in Worms verkauft.

Der Ausbruch des Weltkrieges im Auguſt 1914 konnte nicht ohne Einfluß auf den weitverzweigten Betrieb der Geſamtfabrik bleiben. Voll Siegeszuverſicht ging unſer Volk dem Kampf entgegen; doch der freudig ertragene Zwang, alle Kräfte, die bisher in friedlicher Arbeit ſich regten, dem Kriege dienſtbar zu machen, die Spannung, mit der die großen Ereigniſſe alle Herzen und Sinne gefangen nahmen, mußten zunächſt lähmend auf den Geſchäftsgang wirken. Zahlreiche Beamte und Arbeiter folgten dem Rufe des Vaterlandes, und wie im Kampfe um die deutſche Einheit ſah auch in dieſem Kampfe um die Ehre und Freiheit des Reiches das Haus Gail einen Sohn im Schmucke der Waffen: Der Juniorchef, Dr. Georg Gail, zog am 3. Auguſt 1914 als Leutnant d. Reſ. zu den Kraftfahrtruppen ins Feld; am 7. Februar 1915 wurde er zum Ober⸗ leutnant d. Reſ., am 17. Mai 1917 zum Hauptmann d. Reſ. befördert; er erwarb das Eiſerne Kreuz 1. und 2. Klaſſe, die Heſſiſche Tapferkeitsmedaille und das Bremer Hanſeaten⸗Kreuz; erſt am 10. Dezember 1918 erhielt er ſeine Entlaſſung aus dem Heeresdienſte. Bald darauf, am 22. Februar 1919, verheiratete er ſich mit Irene, geb. v. Benislawski aus Wilna, mit der ihn ſeine mehrjährige Kriegstätigkeit an der Oſtfront zuſammengeführt hatte. Am 8. Januar 1920, am gleichen Tage, an dem unter des glücklichen Vaters Leitung der ſpäter zu erwähnende Fabrik⸗ neubau begonnen wurde, entſproß der Ehe ein Töchterlein, das die Namen Irene, Marie, Eliſa⸗ beth erhielt.

Die ganze Laſt des großen Betriebes ruhte während des Krieges auf den Schultern des Seniorchefs, Geh. Kommerzienrates Dr. Wilhelm Gail, um ſo ſchwerer, als jetzt die Bedürf⸗ niſſe der Armee, wie bereits in den Feldzügen von 1866 und 187071, höchſte Leiſtungen erfor⸗ derten. Die Gründung der Zentrale für Kriegslieferungen von Tabakfabrikaten in Minden nahm auch die Firma Georg Philipp Gail hervorragend in Anſpruch. Die Pflichtlieferungen an das Heer wurden unter Anſpannung aller Kräfte gern erfüllt. Auch die 1916 erfolgte Einführung der bis 1. Juli 1921 in Kraft gebliebenen Zwangsbewirtſchaftung des Rohtabaks durch die beiden deutſchen Tabakhandelsgeſellſchaften m. b. H. in Bremen und Mannheim, ſowie die vom Jahre 1917 an durch die Not erzwungene zunehmende Verarbeitung von Tabakerſatzſtoffen verſchiedenſter Art konnte wohl die Schaffensfreudigkeit mindern, nicht aber die Firma in dem ihr ſelbſtverſtänd⸗ lichen Beſtreben wankend machen, ihre Pflicht bis zum äußerſten, ja mehr als nur die Pflicht zu tun; der Dank, der ihr dafür in ſo manchem unbehilflichen und ſo manchem ſchwungvollen Briefe aus Weſt und Oſt und Süd zu Teil wurde, trug über viele Widerwärtigkeiten hinweg, ſpornte zu immer erneutem Eifer an.

Im Jahre 1917 mußte der langjährige verdiente Prokuriſt Jakob Jung krankheitshalber in den Ruheſtand treten; am 11. Juli 1921 erlöſte ihn der Tod von ſeinem Leiden. Mehr und mehr Mitarbeiter wurden der Firma durch den Heeresdienſt entzogen: 46 Beamte und Arbeiter ſtanden ſchließlich unter den Waffen, 13 ſind fürs Vaterland geſtorben. Immer ſpärlicher floſſen die Rohſtoffquellen. Daher mußte man am 12. April 1918 die Zweigfabrik für Rauchtabak an der Ecke Oſtanlage und Marburgerſtraße ſchließen.