her— nicht das erſte bewohnte; der damalige zweite Pfarrer erhielt die Matthäusgemeinde, weil er das in ihr gelegene Pfarrhaus, das erſte Pfarrhaus von früher her— nicht das zweite Pfarrer wünſchte und erhielt die Lukasgemeinde, und der neu ernannte vierte Pfarrer erhielt die Markus⸗ gemeinde.
So vollſtändig aber auch dieſe Teilung der Gemeinde erſcheinen mag, ſo muß doch ernſtlich bedacht werden — was meines Erachtens bis jetzt zu wenig berückſichtigt wurde—, daß durch die Teilung die frühere„evange⸗ liſche Gemeinde Gießen“ keineswegs in vier⸗
Teile getrennt worden, in vier Teile auseinander gefallen iſt derart, daß ſie ſelbſt als ſolche nicht mehr beſtünde. Vielmehr iſt in den Satzungen das Fortbeſtehen der einen evangeliſchen Gemeinde wie vorher auf das beſtimmteſte gewahrt.
Schon oben erwähnte ich die„vorbehaltene Ver⸗ bindung“ der Einzelgemeinden. Betreffs derſelben heißt es ausdrücklich:„Unbeſchadet der feſtgeſetzten Einteilung in vier ſelbſtändige Kirchengemeinden bleibt Einheit der dermaligen Kirchengemeinde für gemein⸗ ſame Angelegenheiten. Für dieſe Geſamtgemeinde wird eine Geſamtgemeindevertretung und ein Ge⸗ ſamtkirchenvorſtand beſtellt, auf die beiderſeits, ſoweit hier nichts Anderes feſtgeſetzt wird, die Beſtimm⸗ ungen der Kirchenverfaſſung Anwendung finden.“
Alſo nur der Name„evangeliſche Geſamtgemeinde“ ſtatt„evangeliſche Gemeinde“ hat ſich geändert, ſonſt in Art und Weſen nichts; ebenſo etwa, wie der Stadtrat oder Stadtvorſtand zu Gießen derſelbe geblieben iſt, nach— dem er„Stadtverordnetenverſammlung“ genannt wird.
Als„gemeinſame Angelegenheiten“ werden insbeſondere bezeichnet:„Gemeinſchaftliches Vermögen (insbeſondere Kirchenvermögen, Armenſtiftungen) und Schulden, gemeinſame Beamte, alle Umlagen.“„Das dermalige Geſamtvermögen der Gemeinde bleibt der Ge— ſamtkirchengemeinde eigentümlich.“
So ſind denn z. B. auch— wie das alte erſte und zweite Pfarrhaus— das neugebaute Lukaspfarrhaus und das im Bau begriffene Markuspfarrhaus, ebenſo das Gemeindehaus an der Kirchſtraße und der Kon⸗ firmandenſaal an der Liebigſtraße Eigentum der Geſamt⸗ gemeinde, nicht der Einzelgemeinden, in deren Gebiet ſie ſtehen und von denen ſie benutzt werden.
Demnach gibt es trotz der Teilung heute noch wie früher eine evangeliſche Gemeinde Gießen, jetzt amtlich genannt: Geſamtgemeinde, Geſamtkirchengemeinde. Und dieſe Geſamtgemeinde hat auch jetzt noch ganz wie früher— das wird gleichfalls nicht genug be⸗ rückſichtigt— eine erſte und zweite und dritte, nun auch vierte Pfarrei, Pfarrſtelle, ebenſo einen erſten und zweiten und dritten, nun auch einen vierten Pfarrer, völlig un— abhängig von und unvermiſcht mit den neugebildeten Einzelgemeinden.
So hat die erſte Pfarrei die alte Pfründe auch jetzt noch, ſelbſtändig für ſich, unabhängig von der Johannesgemeinde, die als ſolche gar keine Pfründe beſitzt, ſondern wie jede der anderen Kirchengemeinden — Markusgemeinde demnächſt auch— lediglich ein Pfarr⸗ haus, das Eigentum der Geſamtgemeinde iſt. Die Pfründe der erſten Pfarrei ſetzt ſich von Alters her zuſammen aus Beiträgen der Hauptſtaatskaſſe, des Geiſtlichen Land⸗ kaſtens, der Kirchenkaſſe(durch mancherlei Einzelbeträge zuſammengeſetzt), aus Beſoldungskapitalzinſen und Güter⸗ pacht, und endlich aus einem Beitrag der Stadtkaſſe, der jetzt auf 613,15 Mk. ſich beläuft, nämlich 413,15 Mk. bar und 17,2 rm Buchen⸗Scheitholz aus dem Stadtwald. Dieſes Holz iſt für die Amtsdauer des jetzigen erſten Pfarrers mit 200 Mk. jährlich abgelöſt. Ich habe nicht ergründen können, ob dieſer Beitrag der Stadt aus irgend welchen ſonſtigen Gründen bewilligt wurde und
bewohnte; der damalige dritte
deshalb wirklich nur ein einfacher Beitrag iſt, oder ob er eine Dotation darſtellt, durch die das Präſentations⸗ recht an die erſte Pfarrſtelle erworben wurde.
Der erſte Pfarrer ass ſolcher, nicht der Jo— hannespfarrer, hat das Recht zum Bezug einer für die zwei erſten Geiſtlichen beſtimmten Stiftung, er hat ferner das Recht zur ſelbſtändigen Vergebung der Senkenberg⸗ ſchen und der Zimmermann ſchen Stiftung, erſtere alle zwei Jahre, letztere in jedem Jahre; er hat das Recht der Mitwirkung bei der Austeilung und Verwaltung mehrerer Stiftungen(Schott, Todenwart, Haxthauſen, Bücking, Löber und Haſt); bezüglich der Löber⸗ und Haſt'ſchen Stiftung hat er ſogar das Recht, zu den be⸗ treffenden Sitzungen der Stadtverordnetenverſammlung eingeladen zu werden. Endlich iſt der erſte Pfarrer als ſolcher ſtändiges Mitglied der Armen-Deputation der Provinzial⸗Hauptſtadt Gießen.
Nimmt man hinzu, daß der erſte Pfarrer auch den Vorſitz im Geſamtkirchenvorſtand und in der Geſamt⸗ gemeindevertretung, die alten Kirchenbücher und Anderes behalten hat, ſo iſt es unbeſtreitbar, daß ſeine ganze Stellung und Befugnis durch die Gemeindeteilung nicht im geringſten verändert worden iſt, daß er nur als Pfarrer und Seelſorger auf einem beſtimmt begrenzten Gemeindegebiet tätig iſt. Und es iſt ebenſo klar, daß die erſte Pfarrei und die Johannespfarrei als zwei ver⸗ ſchiedene, an ſich ſelbſtändige Dinge nicht unlösbar mit⸗ einander verbunden worden ſind, ſondern nur wie durch eine Perſonalunion, die lediglich für die Dienſtzeit des jeweiligen Pfarrers gilt.
Es ergibt ſich hieraus ferner, daß der erſte Pfarrer ſeine Stellung und Geltung weit über die hinaus hat, die das Kirchengeſetz vom 29. November 1891 dem erſten Geiſtlichen zuweiſt als lediglich dem Vorſitzenden im Kirchenvorſtand und Pfarrkollegium, der auch das Pfarr⸗ amt nach außen hin zu vertreten hat.
Wenn deshalb durch meinen Weggang die erſte Pfarrſtelle und zugleich die Johannespfarrſtelle erledigt wird, ſo iſt jede für ſich neu zu beſetzen, die erſte Pfarr⸗ ſtelle zunächſt durch Präſentation des Stadtrats, die Pfarrſtelle der Johannesgemeinde, die geſetzlich nicht geringere Rechte hat als die drei anderen, auf dem ge⸗ ſetzlichen Weg, nach Kirchengeſetz vom 17. November 1888, unter der geſetzlichen Mitwirkung des Kirchenvorſtandes durch den Großherzog. In keiner Weiſe iſt dem Stadt⸗ rat durch die Teilung der Gemeinde das Präſentations⸗ recht für die Johannespfarrſtelle, weil dieſe bei der Teilung zufällig der erſte Pfarrer erhielt, zugewieſen worden; das würde dem Geſetz und Recht völlig widerſprechen, und der Stadtrat ſelbſt würde dieſen Erſatz für ſein Prä⸗ ſentationsrecht an die erſte Pfarrſtelle gewiß auch nicht ohne Weiteres hinnehmen. Der Stadtrat hat es über⸗ haupt in dieſer Hinſicht und in allen dazu gehörigen Punkten, beſonders auch mit ſeiner Beitragspflicht gegen⸗ über den drei erſten Pfarreien, niemals mit einem Teil der Gemeinde zu tun, ſondern ſtets nur mit der Geſamt⸗ gemeinde und ihrem erſten Pfarrer, ihrer erſten Pfarrei; ebenſo mit der zweiten und dritten Pfarrei.
Vor weiteren Erörterungen hierüber will ich zunächſt darauf hinweiſen, daß es ſich mit der zweiten Pfarrei, dem zweiten Pfarrer, der jetzt im Matthäuspfarrhaus wohnt und die Matthäusgemeinde hat, ebenſo verhält.
Die zweite Pfarrei beſitzt die alte Pfründe völlig für ſich auch jetzt noch, während die Matthäusgemeinde gar keine Pfründe, ſondern nur ein Pfarrhaus wie jede andere Gemeinde hat, das Eigentum der Geſamt-⸗Ge⸗ meinde iſt.
Die Pfründe der zweiten Pfarrei ſetzt ſich von Alters her zuſammen aus Beiträgen der Hauptſtaatskaſſe, des Rentamts, des Geiſtlichen Landkaſtens, der Kirchenkaſſe, ferner aus Beſoldungskapitalzinſen und Güterpacht und endlich aus einem Beitrag der Stadtkaſſe, der gegen⸗


